Baden-Württemberg

Pressemitteilung, Verkehrsverbünde und ÖPNV
Hall-Heilbronn-Hohenlohe

VCD fordert Rücknahme der Verschlechterungen beim Nahverkehr zwischen Heilbronn und Neckarsulm

Presseinformation Nr. 1/2015, Heilbronn, 22. Januar 2015

Massive Fahrgastbeschwerden wegen Stadtbahn Nord und fehlen­den Bus­ver­bindungen. Im Ballungsraum müssen 15-Minuten-Takt und direkte Buslinien Mindest­standard sein

Nach über einem Monat Betrieb der Stadtbahn Heilbronn Nord zieht der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) eine erste Bilanz und fordert umgehend Nach­besserungen beim Fahrplanangebot, die Wiedereinführung von gestrichenen Bus­verbindungen im Ballungs­raum Heilbronn – Neckarsulm und einen 15-Minuten-Takt als Mindest­standard.

Seit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2014 hat sich beim Öffentlichen Verkehr in der Region vieles verschlechtert“, stellt VCD-Vorstand Hans-Martin Sauter er­nüch­tert fest. Oftmals herr­sche das Chaos. Stadtbahnen seien unpünktlich oder fielen ganz aus, Anschlüsse funktionierten überhaupt nicht oder würden regelmäßig ver­passt, die Fahrgastinformation an den Haltestellen sowie die Online-Fahrplan­aus­kunft funktionierten nicht. Statt der versprochenen, modernen Neubaufahrzeuge sind bei der Stadtbahn Nord vermehrt alte, nicht barrierefreie Fahrzeuge an­zu­treffen. „Diese funktionieren zwar im Gegensatz zu den Neubau­fahrzeugen. Doch so haben sich die Fahrgäste angesichts der Millionen­investitionen einen modernen, kunden­freundlichen Nahverkehr nicht vorgestellt“, sagt Sauter.

Als größtes Problem sieht der VCD jedoch die Verschlechterungen beim Busverkehr. Tausende Fahrgäste nördlich von Heilbronn müssen seit dem Fahrplanwechsel Um­wege in Kauf nehmen und werden vom Landratsamt Heilbronn gezwungen, kurz vorm Ziel in die Stadtbahn umzusteigen, die zudem nur dreimal in der Stunde und mit Taktlücken von bis zu 30 Minuten verkehrt. Fahrzeiten haben sich so massiv verlängert. „45 Minuten Fahrt, um von Heilbronn in Teilorte im benachbarten Neckars­ulm zu kommen sind keine Seltenheit“, weiß Sauter. Beim VCD, den Verkehrs­unter­nehmen und den lokalen Medien stapelten sich inzwischen die Beschwerden.

Ohne Not wurde vom Landkreis Heilbronn ein bislang funk­tio­nierendes System zerstört, indem planlos Busverbindungen aus den Nachbarkommunen in Richtung Heilbronn ge­kappt wurden“, erklärt Sauter. „Auch bei wichtigen Buslinien wie dem Schnellbus Neuen­stadt – Heilbronn (Linie 620) wurde gekürzt, obwohl vom Landkreis versprochen worden war, dass dieser wie bisher auch abends und am Wochenende verkehrt. Auf diese Weise verprellt man nicht nur potenzielle neue Fahrgäste, sondern auch vorhandene Stamm­kunden, die nun teils notgedrungen wieder auf das Auto umsteigen. Viele Pendler haben nach 19:30 Uhr keine direkten Verbindungen mehr aus Heilbronn in den Landkreis.

Zwar begrüßt der VCD die Verbesserungen auf einzelnen Linien sowie beim Stadt­bus-Angebot rund um Neckarsulm. Dies täuscht jedoch nicht über die zahl­reichen Verschlechterungen vor allem zwischen Neckarsulm und Heilbronn hinweg. Da es bisher stündlich mindestens vier Fahrtmöglichkeiten per Bus zwischen Neckarsulmer Innenstadt, der Südstadt mit Gewerbe, Einkaufszentrum und Berufs­schule und der Heilbronner Allee gab, hat sich die Situation mit nur noch drei S-Bahnfahrten je Stunde deutlich verschlechtert. Auch der Bereich am Heilbronner Europaplatz mit Geschäften, dem wachsenden Bildungscampus und der künftigen Bundes­garten­schau ist aus Neckarsulm nicht mehr direkt erreichbar.

Der VCD fordert auf der wichtigsten Verkehrsachse der Region wie bei den Stadt­bussen mindestens einen 15-Minuten-Takt bei den Stadtbahnlinien S41/42 sowie ein ergänzendes Busangebot mit engen Takten von Innenstadt zu Innenstadt und auf jenen Relationen, wo die Nutzung der Stadtbahn zeitlich und auf Grund des schlechten Taktes keine ernsthafte Alternative ist. Dies betrifft unter anderem Verbindungen von Heilbronn nach Neuenstadt, Erlenbach, Ober- und Unter­eises­heim, zum Klinikum Am Plattenwald oder zum ZOB Neckarsulm sowie in die Neckars­ulmer Südstadt.

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