Baden-Württemberg

Herrenberg

Herrenberg ist eine Wohnstadt und keine Autostadt

VCD-Ortsgruppe fordert schnelle Umsetzung von Einzelmaßnahmen

Verspätete und ausgefallene Zugverbindungen nach Stuttgart und Tübingen, Lärm und Dauerstau am Reinhold-Schick-Platz und in den Durchgangsstraßen, zugeparkte Gehwege und Radstreifen - die Realität überholt die städtischen Mobilitätsplanungen IMEP und Modellstadt. Darüber war man sich beim letzten Treffen der Herrenberger VCD-Ortsgruppe einig. Schilderungen über Erlebnisse, wenn man in Herrenberg ohne Auto unterwegs ist, ernteten entsetztes Kopfschütteln. Besonders die miserable Informationspolitik der Bahn bei den häufigen Störungen ist untragbar und im Zeitalter von Digitalisierung und Mobilfunk absolut unverständlich. Eine Besucherin aus Mönchberg erzählte von ankündigungslosem Nicht-Anfahren einer Bushaltestelle, von verspäteten Bussen und verpassten Bahnanschlüssen. "Die Busfahrer sind oft schlecht informiert". Die Ammertalbahn fährt an der Haltestelle Entringen einfach vorbei, wenn sie voll ist.

Andreas Kegreiß, Sprecher der VCD-Ortsgruppe und Bahn-Experte: "Die Verwaltung bemüht sich um einen besseren ÖPNV. Wir freuen uns über die Unterstützung unseres OB Sprißler beim Brandbrief an das Verkehrsministerium zwecks Erhalt der Panoramastrecke der Gäubahn bis zum Stuttgarter Hauptbahnhof, und über die Einbindung von ganz Herrenberg in den Naldo-Verkehrsverbund. Trotzdem sollte die Stadt die Folgen der Bahn-Misere für Herrenberg viel nachdrücklicher bei den zuständigen Stellen thematisieren, allein um den Bürger*innen zu zeigen, dass sie diese Zustände nicht hinnimmt." Es ist kein Wunder, dass der Autoverkehr in Herrenberg stetig wächst.

I3opt: Überteuertes Straßenbauprojekt ohne ökologischen Nutzen

Ratlosigkeit herrschte über die schleppende Umsetzung der von der Stadt angekündigten Maßnahmen im Rad- und Fußverkehr. Die veranschlagten 21 Millionen Euro für den Bahndurchstich zwischen Horber und Nagolder Straße (I3opt), um ein kurzes Stück Horber Straße autofrei zu machen, wurden einstimmig als teure Fehlinvestition ohne Nutzen für eine umfassende ökologische Verkehrswende beurteilt. Eine rad- und fußgängerfreundliche Verbindung vom Bahnhof über den Schick-Platz in die Altstadt kann auch mit einem Bruchteil der Investitionssumme erreicht werden, dazu sind auf der Themenseite der VCD-Ortsgruppe zwei interessante Ideen beschrieben. Die I3opt hingegen blockiert viele wichtige und dringende Maßnahmen aufgrund ihrer jahrelangen Planung und Realisierung. Sie vermindert weder den Autoverkehr rund um den Schick-Platz noch leistet sie einen Beitrag zum Klimaschutz. Überhaupt taucht der Klimaschutz in den IMEP-Zielen nur randständig auf, auch der Modalsplit (Verhältnis von motorisiertem Individualverkehr zu ÖPNV, Rad und Fuß) soll nur marginal weg vom Auto verschoben werden. Andreas Kegreiß: "Mobilität ist ein Grundbedürfnis. Wir wollen und dürfen den Leuten die Verkehrsmittel nicht vorschreiben, aber die Fixierung auf das Auto ist zu übermächtig. Herrenberg ist eine Wohnstadt und keine Autostadt."

Kleine Schritte, schnell umgesetzt, schaffen Vertrauen

Um verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen, sollte die Verwaltung überschaubare Maßnahmen kleinschrittig aber kontinuierlich umsetzen: Ansprechende Fahrradabstellanlagen, rad- und fußfreundliche Ampelschaltungen, Ampelvorrangschaltungen für Busse, Temporeduktion auf den Hauptachsen, Eindämmung von wildem Parken, LKW-Durchfahrtsverbot für die Kernstadt, und strikt überwachtes Tempo 10 oder 20 im Alzental. Man sprach die Überzeugung aus, die große Mehrheit der Bürger*innen honoriert kleine sicht- und spürbare Aktivitäten, auch wenn sie den Autofahrern Einschränkungen auferlegen. Vielversprechend ist die zunächst als Testversion eingeführte Mobility-App. Die bisher auf viele Medien verteilten Fahrpläne, Parkplatz-Belegungen, Routenverläufe und aktuellen Meldungen sind zentral gebündelt und mit Suchmasken gut auffindbar.

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