Baden-Württemberg

Regionalstadtbahn

Regionalstadtbahn Neckar-Alb

Täglich pendeln Zehntausende zu ihren Arbeits- und Ausbildungsplätzen in Reutlingen und Tübingen, überwiegend mit dem Pkw. Verkehrs- und umweltpolitisch wäre es sinnvoll, diesen Verkehr überwiegend auf den ÖPNV zu verlagern. Derzeit ist das bestehende Angebot jedoch nicht in der Lage, bezüglich Platzangebot, Zugänglichkeit, Taktdichte und Fahrzeit eine attraktive Alternative zum Pkw zu bieten.

Wie auch in anderen Räumen mit hohem Verkehrsaufkommen, kommt zur Bereitstellung der erforderlichen Transportkapazitäten und zur Befriedigung der zahlreichen aufkommensstarken Verkehrsbeziehungen, allein der schienengebundene Verkehr in seiner Funktion als leistungsfähiges Rückgrat des ÖPNV in Frage.

Seitens der Bahn-Infrastruktur bestehen dabei günstige Voraussetzungen in der Region Neckar-Alb, denn es sind Bahnstrecken entlang der wichtigsten Siedlungsachsen vorhanden. Ergänzend können weitere Bahntrassen, auf denen zwar keine Gleise mehr liegen, die jedoch nicht förmlich still gelegt wurden, reaktiviert werden. Nur rund  elf Kilometer “echte” Neubaustrecke (bei einem gesamten Streckennetz von mehr als 200 Kilometern) wäre notwendig, um das Schienennetz abzurunden. Wobei die Neubaustrecken fast ausschließlich in den Innenstädten von Reutlingen und Tübingen erforderlich wären, damit ein umsteigefreies Erreichen des Großteils der Arbeits- und Ausbildungsplätze sowie der Zentren des innerstädtischen Einzelhandels möglich wird.

Idee

Vorbild hierfür ist das „Karlsruher Modell“ der Zweisystem-Stadtbahn. Dieses zeichnet sich aus durch ein Netz an Stadtbahnen, die in dichtem Takt auf Bahngleisen aus der Region nach Karlsruhe verkehren, dort auf Straßenbahnschienen wechseln und in die Innenstadt, bzw. durch diese hindurch, weiterfahren - ohne notwendiges Umsteigen der Fahrgäste.

Mit dem Bau der ähnlich konzipierten Regionalstadtbahn Neckar-Alb können umsteigefreie Verbindungen zwischen dem bestehenden Eisenbahnnetz und den Innenstädten von Tübingen und Reutlingen geschaffen werden. Ein klarer Systemvorteil, der gar nicht genug wertgeschätzt werden kann: Daraus resultieren kürzere Fahrzeiten, der Wegfall verpasster Anschlüsse, mehr Fahrgastkomfort und enorme Erleichterungen für mobilitätseingeschränkte Personen durch das Entfallen notwendiger Umsteigevorgänge. Dies hat nicht nur in Karlsruhe, sondern auch in anderen Städten mit Zweisystem-Stadtbahnen, wie etwa in Kassel, Saarbrücken oder Chemnitz, zu einem sprunghaften Anstieg der Fahrgastzahlen geführt.

Planung

Das Streckennetz umfasst dabei die Landkreise Tübingen, Reutlingen und Zollern-Alb, mit den Endpunkten Herrenberg, Horb, Albstadt, Kleinengstingen, Bad Urach und Tübingen Waldhäuser Ost (WHO). Das komplette Streckennetz finden Sie auf der Homepage des “Zweckverband Regional-Stadtbahn Neckar-Alb”.

Da die meisten Bahnstrecken in der Region eingleisig sind, ist ohne Ausbau keine Taktverdichtung möglich. Es ist jedoch kein durchgehend doppelgleisiger Ausbau notwendig; vielmehr reichen einzelne Doppelspurinseln um den gewünschten Taktverkehr anbieten zu können.

Von Herrenberg, Rottenburg, Mössingen und Kleinengstingen sollen die Bahnen dann künftig alle 30 Minuten nach Tübingen verkehren und umsteigefrei über den Hauptbahnhof, die Tal-Universität, die Innenstadtkliniken, das Klinikum Berg, den Campus Morgenstelle und den Technologiepark bis WHO weiter geführt werden. Durch zeitlichen Versatz entsteht auf dieser Tübinger Innenstadtstrecke ein 7,5-Minuten-Takt, was auf diesem Abschnitt einen zweigleisigen Bau erforderlich macht. Alle Haltestellen sollen barrierefrei gebaut werden, so dass für alle Personen ein Ein-/Ausstieg ohne fremde Hilfe gewährleistet ist. Auf der Homepage der Universitätsstadt Tübingen gibt es eine Animation zur Innenstadtstrecke.

Zusätzliche Züge führen zu einem 15-Minuten-Takt zwischen Entringen, Rottenburg, Mössingen und dem Tübinger Hauptbahnhof. Rund 70 neue Bahn-Haltestellen sorgen zudem in der gesamten Region für einen besseren Zugang zum ÖPNV und kürzeren Fußwegen zu Zielen mit hohem Verkehrsaufkommen.

Mit dem Bau der Regionalstadtbahn wird ein leistungsfähiges und attraktives Nahverkehrssystem für die Region Neckar-Alb geschaffen. Häufig wird übersehen, dass hiervon keineswegs nur die Einpendler profitieren, sondern insbesondere auch die EinwohnerInnen Tübingens: Die Einpendler tragen überdurchschnittlich stark zum Pkw-Aufkommen in Tübingen, mit all seinen negativen Folgen für die Umwelt bei. Durch die Verlagerung einpendelnder Verkehrsströme vom Auto auf den ÖPNV ist eine deutliche Verbesserung der Aufenthalts- und Lebensqualität in Tübingen zu erwarten. Außerdem wird gerne vergessen, dass Tübingen nicht nur viele Einpendler hat, sondern auch weit über zehntausend Auspendler, für die eine Stadtbahn ein attraktives Angebot für den Weg zur Arbeit bietet. 

Umsetzung

Im Frühjahr 2018 wurde mit den Baumaßnahmen zur Umsetzung des Modul 1 begonnen. Dieses umfasst den Streckenverlauf Herrenberg –Tübingen –Reutlingen –Metzingen – Bad Urach. Vorgesehen sind auf der Ammertalbahn und der Ermstalbahn die Schaffung weiterer Zug-Begegnungsmöglichkeiten, sowie die Ertüchtigung der Haltestellen und der Signaltechnik. Außerdem sollen diese Streckenabschnitte elektrifiziert werden. Weiterhin sind zwischen Tübingen und Metzingen vier neue Haltepunkte geplant. Bis Ende 2022 soll das Modul 1 fertig gestellt sein.

Weitere Abschnitte der Regionalstadtbahn befinden sich in der Planungs- und Abstimmungsphase. Des Weiteren ist die Durchführung eines Bürgerentscheids über den Bau der Tübinger Innenstadtstrecke vorgesehen.

Stand: 01/20

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