Baden-Württemberg

BW, Verkehrsverbünde und ÖPNV

Abschaltung von Ticket2Go zeigt dringenden Handlungsbedarf für moderne digitale Fahrkarten ohne Tarifkenntnis der Nutzer auf

Am Wochenende haben die Verbünde in Baden-Württemberg die digitale Fahrkarte „Ticket2Go“ abgeschaltet. Damit konnten bislang Fahrkarten ganz einfach per Smartphone ohne Kenntnis der Tarife der jeweiligen Verbünde gekauft werden.

„Aus Fahrgastsicht ist der Wegfall des Angebotes ein deutlicher Rückschritt“, kommentiert VCD-Landesvorsitzender Matthias Lieb. Ursprünglich als DB-Angebot „Touch&Travel“ unter Einbeziehung des Fernverkehrs gestartet, hatten die Verbünde in Baden-Württemberg das Angebot fortgeführt. Der Fahrgast brauchte am Smartphone nur seine Starthaltestelle eingeben und bestätigen, schon hatte er eine gültige Fahrkarte. Am Ziel angekommen, musste man sich abmelden, der Fahrpreis wurde automatisch berechnet und später abgebucht - teilweise wurden die Fahrpreise auch nach Luftlinie statt Zonen ermittelt, so dass gerade kurze Strecken in Städten deutlich günstiger waren, erläutert Lieb das System.
Während in Baden-Württemberg dieses innovative System, an dem allerdings nicht alle Verbünde vollständig teilgenommen hatten, gerade abgeschafft werde, erfreue sich ein nach gleichen Prinzipien, nur leistungsfähiger arbeitendes System aus der Schweiz immer größerer Beliebtheit, weiß Matthias Lieb: „Fairtiq bzw. Easyride sind zwei Fahrkartenapps in der Schweiz, mit denen der Fahrgast ganz einfach Fahrkarten kaufen kann, indem er am Startort auf seinem Smartphone die Fahrt mit einem Klick beginnt und am Zielort die Fahrt beendet - schon hat er eine gültige Fahrkarte und bekommt den besten Preis berechnet“.
Der VCD fordert eine rasche Einführung solch einfacher Fahrkartenbuchungssysteme auch für Baden-Württemberg - einheitlich über alle 22 Verbünde, den Landestarif und den Fernverkehr - nur so könne es gelingen, die Hemmschwellen für den Fahrkartenerwerb  abzubauen.
In einem ersten Schritt sollten zumindest alle Verbünde auch ihre Handytickets über eine gemeinsame App anbieten, damit die Fahrgäste nicht 22 verschiedene Apps bei der Fahrt durch Baden-Württemberg benötigten, fordert der VCD.
Die deutsche Bahn bietet in ihrem DB Navigator bereits den Verkauf von Fahrkarten vieler Verbünde an, alllerdings muss der Nutzer hier immer noch den Namen des Verkehrsverbundes und seine Start- und Zielhaltestelle kennen oder beim Routenservice von google.de/maps bestimmen.
Seit dem Fahrplanwechsel seien jetzt Fahrkarten folgender Baden-Württembergischen 11 Verbünde über den DB Navigator erhältlich: Freiburg, Heilbronn, Karlsruhe, Lörrach, Ortenau, Pforzheim, Bodo, Rhein-Neckar, Schwäbisch Hall, Stuttgart, Waldshut.
Fehlen würden insbesondere der Naldo (Tübingen /Reutlingen), Ulm (Ding) sowie weiterhin viele kleinere Verbünde.

 

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