Baden-Württemberg

Infrastruktur, Verkehrspolitik

Allmandstraße für Menschen bauen!

Friedrichshafen - Der Gemeinderat hat am 28.01.2019 die Planung der Verwaltung für die Umgestaltung der Allmandstraße und den Baubeschluss gebilligt. Der VCD begrüßt die Idee, die Straße zum verkehrsberuhigten Bereich umzubauen, sieht allerdings viele Mängel in der Gestaltung, denn sie ist aus Sicht des VCD zu stark auf eine autogerechte Erschließung ausgerichtet. Die Stadt versäumt es, bei der Planung klare Prioritäten für Fußgänger und Radfahrer zu setzen, eine beispielhafte Quartierstraße mit hoher Aufenthaltsqualität zu bauen und erste Schritte zur Klimaanpassung in der Innenstadt zu gehen.

Verkehrsberuhigter Bereich

Die geplante Aufteilung des Straßenraums in gepflasterte Gehwege und eine asphaltierte Fahrbahn, die durch einen Höhenabsatz getrennt sind, widerspricht der Vorgabe der Verwaltungsvorschrift der Straßenverkehrsordnung (VwV-StVO zu § 42, zu Zeichen 325.1 und 325.2 „Verkehrsberuhigter Bereich“):
Die mit Zeichen 325.1 gekennzeichneten Straßen oder Bereiche müssen durch ihre besondere Gestaltung den Eindruck vermitteln, dass die Aufenthaltsfunktion überwiegt und der Fahrzeugverkehr eine untergeordnete Bedeutung hat. In der Regel wird ein niveaugleicher Ausbau für die ganze Straßenbreite erforderlich sein.“
Die Rechtslage schreibt also unmissverständlich vor, dass ein verkehrsberuhigter Bereich nicht als typische Straße mit Fahrbahn und Gehweg angelegt sein darf. Die Planung der Stadt ignoriert somit nicht nur die Gestaltungsgrundsätze einer Flanierstraße, sondern setzt sich auch über die Vorgaben der Straßenverkehrsordnung hinweg.

Knotenpunkte

Bei der Gestaltung der erhöhten Knotenpunkte der Wendelgardstraße und Scheffelstraße möchte die Stadt nicht mehr den im Schulquartier einheitlichen roten Pflasterbelag verwenden, da er sich wegen der „Scherkräfte nicht bewährt habe“. Diese Einschätzung teilt der VCD nicht, denn die Pflasterbeläge der Knoten wurden allein durch die mittlerweile abgeschlossenen Großbaustellen der KBG und Fränkel AG zerstört. Die Knoten in der Katharinenstraße sind seit dem Bau 2006 in gutem Zustand, auch die später hinzugekommenen Knoten an der Marienstraße und Hans-Schnitzler-Straße.
Der VCD fordert deshalb die Stadt auf, an der einheitlichen Knotengestaltung im Schulquartier festzuhalten, die eines der ersten Projekte des Metron-Radverkehrskonzeptes war.

Straßenbeläge

Es ist nicht nachvollziehbar, warum lärmmindernder Asphalt verwendet werden soll. In einem Verkehrsberuhigten Bereich ist Schrittgeschwindigkeit vorgeschrieben, was in der Rechtsprechung mit 10-15 km/h definiert wird. Bei diesen Geschwindigkeiten ist das Reifengeräusch kaum wahrnehmbar. Beim Asphaltbelag sollte der Schwerpunkt stattdessen auf eine farblich attraktive Oberfläche gelegt werden, so könnte z.B. durch eine helle Farbgebung der stark beschattete Straßenzug aufgewertet werden.
Die Stadt beabsichtigt erneut, für die „Fußwege“ ein völlig ungeeignetes Pflaster zu verwenden, welches bereits in der Metzstraße und bei Rewe am Stadtbahnhof zum Einsatz kam. Dieses Pflaster ist sehr rau, was z.B. für gehbehinderte Fußgänger mit Rollatoren eine Erschwernis darstellt. Verschmutzungen auf den Platten und in den Fugen, die im Bereich hochfrequentierter Fußgängerwege und vor Lebensmittelgeschäften täglich auftreten, können bei diesem offenporigen Pflastertyp mit konventionellen Methoden nicht gereinigt werden. Deshalb ist damit zu rechnen, dass es zu vergleichbaren Schmuddelecken wie in der Metzstraße und bei REWE am Stadtbahnhof kommen wird.

Breiten

Die Gehwegbreite ist an der Pestalozzi-Schule mit 2,3 m viel zu schmal ausgelegt.

Parken

Aus der Sitzungsvorlage geht nicht hervor, welche „Vorgaben und Wünsche“ der Fränkel AG und Feneberg in die Planung eingeflossen sind. Angesichts der vorhandenen Tiefgaragen fehlt der Nachweis, warum sechs oberirdische Parkplätze im südlichen Abschnitt und neun Parkplätze im mittleren Abschnitt erforderlich sind. Die an der Pestalozzi-Schule neu vorgesehenen Parkplätze sind nicht erforderlich und könnten durch Gestaltungselemente ersetzt werden, welche die Straße zu einem attraktiven Aufenthaltsbereich machen. Oberirdische Parkplätze stehen einer attraktiven Raumgestaltung im Wege und führen außerdem zu erheblichem Parksuchverkehr.
Gleichzeitig fehlen in der Planung ausreichende Flächen für Fahrradabstellanlagen im öffentlichen Raum. Vor allem vor Feneberg wurden schon in den provisorischen Fahrräderständern sehr viele Fahrräder abgestellt, deshalb sollten beim Umbau ausreichend große, attraktive und auch überdachte Abstellanlagen eingeplant werden. Dies ist in den vorliegenden Plänen nicht enthalten. Auch vor Freisleben und Kieser besteht bereits heute eine Nachfrage an Fahrradständern für Kunden und Mitarbeiter, was in der Planung nicht berücksichtigt ist.
Bei den Fahrradparkern ist – wegen der Nutzung zum Einkaufen – ein Abstand der Stellplätze von 70 cm einzuhalten und eine ebene Einstellung des Fahrrades vorzusehen, damit Fahrräder mit Taschen oder Körben leicht bewegt werden können. Die üblichen engen Hoch-Tief-Stellplätze sind für diese Nutzung nicht geeignet.

Bepflanzung

Es sind weitere Bäume und größere begrünte Elemente erforderlich. Die vorgeschlagenen Pflanzflächen, integriert in Sitzbänke, sind viel zu klein bemessen, um nachhaltig begrünt werden zu können. Gerade im südlichen Bereich der Allmandstraße fehlen Grünelemente fast vollständig. Für eine Anpassung an zunehmend heiße Sommer ist viel mehr städtisches Grün erforderlich, was im ISEK und im städtischen Klimaanpassungskonzept gefordert wird.
Die vorliegende Planung wird eine kalte, graue und abweisende Optik erzeugen, die von Menschen nicht gerne zum Aufenthalt genutzt werden wird.

Mobilitätsstation Allmandstraße

Im Verkehrsentwicklungsplan wird eine Mobilitätsstation vorgeschlagen. Dieses Vorhaben sollte in der vorliegenden Planung erwähnt und konkretisiert werden.

zurück