Baden-Württemberg

BW, Radverkehr, Verkehrspolitik

Critical Mass: Radeln für bessere Wege in Ludwigsburg

Mehr als 30 Radler trotzten bei der Fahrraddemo am 13. Dezember Regen, Wind und Dunkelheit. Und zeigten: Wer Fahrverbote in Ludwigsburg verhindern will, muss die Verkehrswende voranbringen. „Radeln kann man das ganze Jahr, bei Wind und Wetter. Wie viel Spaß das macht, hat die Critical Mass gezeigt. Viele Menschen sind es aber gewohnt, selbst für kürzeste Strecken das Auto zu nehmen. Dabei ist das Rad bei Strecken unter fünf Kilometern das schnellste und umweltfreundlichste Verkehrsmittel“, erläutert Markus Schneid, Vorsitzender der Radwegeinitiative Ludwigsburg.

Spaß und Sicherheit in der Gruppe

Wer Fahrverbote in Ludwigsburg verhindern möchte, sollte die Verkehrswende vorantreiben und vor allem den Rad- und Fußverkehr stärken. Diese Botschaft sendeten mehr als 30 Radlerinnen und Radler bei der Fahrraddemo „Critical Mass“ am Freitag, 13. Dezember 2019. Sie trotzten Regen, Wind und Dunkelheit und fuhren mit strahlenden Lichterketten und weihnachtlicher Musik rund 15 Kilometer durch die Stadt. Die Teilnehmenden zeigten damit Alternativen zum auf Autos ausgerichteten Verkehr auf – einen Tag, nachdem der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg ein Diesel-Fahrverbot für Ludwigsburg forderte.

„Radeln kann man das ganze Jahr, bei Wind und Wetter. Wie viel Spaß das macht, hat die Critical Mass gezeigt. Viele Menschen sind es aber gewohnt, selbst für kürzeste Strecken das Auto zu nehmen. Dabei ist das Rad bei Strecken unter fünf Kilometern das schnellste und umweltfreundlichste Verkehrsmittel“, erläutert Markus Schneid, Vorsitzender der Radwegeinitiative Ludwigsburg. Das Besondere an der Fahrraddemo: Die Gruppe darf ab 16 Teilnehmenden auch rote Ampeln in einem Rutsch überqueren, solange der erste Radler bei grün losfährt. Die Radelnden gelten laut Straßenverkehrsordnung nämlich als Verbund, der rechtlich wie ein einziges langes Fahrzeug behandelt wird. Dazu Schneid: „Wer in solch einer Gruppe fährt, fühlt sich sicherer, als im alltäglichen Straßenverkehr. Auto- und LKW-Fahrer nehmen einen besser wahr und passen gut auf“. Das Erlebnis soll für die Teilnehmenden außerdem erfahrbar machen, wie sich ein Verkehr anfühlt, der nicht vor allem auf Autos ausgerichtet ist. „Alleine habe ich mich noch nie getraut, durch den Sterntunnel zu fahren. Das war ein tolles Gefühl“, freute sich Nora Öhmichen von Parents for Future, die am 13. Dezember zum ersten Mal dabei war.

Radverkehr in Ludwigsburg: Luft nach oben

Ein Höhepunkt war die gemeinsame Fahrt durch den neuen Kreisverkehr an der Aldinger Straße. Hier gibt es einen roten Radweg, der Radfahrenden und Fußgängern Vorfahrt garantiert. Die Gruppe durchquerte den Kreisel gleich drei Mal, auch um ein Zeichen zu setzen: „Hier passen mehr als 30 Räder problemlos gleichzeitig rein, aber nur wenige Autos. Das zeigt, wie effektiv der Radverkehr im Vergleich ist“, betonte Tina Murphy, Sprecherin der Radwegeinitiative. Ein ungeduldiger Autofahrer quetschte sich im Kreisverkehr mitten in die Gruppe – ein Schockmoment für die Radler, die rechtzeitig bremsten und einen Unfall verhinderten. „Das war ziemlich gefährlich und völlig unnötig. Manche Autofahrer fühlen sich durch die ‚Critical Mass‘ leider bedroht und halten es nicht aus, mal eine Minute hinter einem Fahrrad zu bleiben. Zum Glück sind diese aber in der Minderheit, die meisten nehmen Rücksicht“, so Markus Schneid.

Beim Radverkehr in Ludwigsburg gibt es Luft nach oben, meint der Landesgeschäftsführer des ökologischen Verkehrsclubs (VCD), Armin Haller: „Es gibt hier kein vernünftiges Radwegenetz, nur einzelne gute Routen. Das Konzept der Stadt Ludwigsburg ist gut, leider wurde es bisher nicht wie beschlossen umgesetzt. Es gibt hier noch zu viele gefährliche Stellen, vor allem für Kinder auf dem Rad. Das gilt selbst für neue Radwege wie in der Marbacherstraße. Außerdem haben Pendler es bisher schwer, ihr Fahrrad mit der Bahn mitzunehmen – ein behindertengerechter Bahnhof und eine zweite Unterführung könnten das ändern.“ Viele Studierende pendeln regelmäßig nach Ludwigsburg oder Stuttgart und stoßen auf diese Barrieren, berichtet auch Anika Hepple, die an der Pädagogischen Hochschule (PH) Ludwigsburg studiert.

„Dazu kommt, dass viele Radwege im Winter schlecht beleuchtet sind. Eine Freundin von mir muss jeden Tag mehrere Ampelphasen warten, wenn viele Autos unterwegs sind. Die Straßen sind nicht für Fußgänger und Radfahrer gemacht – und darunter leiden vor allem ganz junge und ganz alte Menschen“, so Hepple weiter. Die Studentin engagiert sich deshalb in der Nachhaltigkeitsgruppe der PH, um etwas zu ändern. Mit einigen Kommilitoninnen organisierte sie eine weihnachtliche Nachfeier zur „Critical Mass“. Hier tauschten sich die Radelnden aus allen Altersgruppen bei Punsch, Glühwein und Weihnachtsgebäck aus, wie sie sich in Ludwigsburg für eine Verkehrswende einsetzen können. Viele waren zum ersten Mal bei der „Critical Mass“ dabei und wollen nun regelmäßig kommen. Die Aktion findet jeden zweiten Freitag im Monat statt, los geht es immer um 18 Uhr am Forum am Schlosspark. Einen Wunsch für das nächste Mal hatte der fünfjährige Luke, der auf dem Lastenrad seiner Mutter mitfuhr: „Das hat so Spaß gemacht. Aber nächstes Mal wünsche ich mir keinen Regen!“

Mehr Informationen

Webseite der Radwegeinitiative Ludwigsburg

Webseite des VCD Ludwigsburg

Webseite von Critical Mass

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