Baden-Württemberg

Pressemitteilung, Verkehrspolitik, Güterverkehr, Elektromobilität, Gesundheit

Grüne Logistik vom Bodensee

Selten hatte das Thema „Verkehr“ so viel Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit wie in den letzten Wochen: Fahrverbote, Abgasaffäre, Diesel-Betrug - Tricks und Skandale ohne Ende.

Und: Immer mehr Gütertransporte auf der Straße, dadurch mehr CO2, dadurch mehr Erderwärmung! Gibt es eigentlich auch einmal etwas Positives von der deutschen Kfz-Branche zu berichten, außer dass deren Gewinne wieder überdurchschnittlich gestiegen sind? - Überraschende Antworten zu dieser Frage erhielt in ihrer jüngsten Sitzung die Kreisgruppe Schwarzwald-Baar-Rottweil des ökologischen Verkehrsclubs Deutschland (VCD).

Dieter Hallerbach, Geschäftsführer der Überlinger Naturkost-Großhandelsfirma Bodan, war vom VCD zu einem Vortrag eingeladen, denn sein Unternehmen versteht sich als Pionier für „grüne Logistik“. Zwar vertreibt die Firma nur hochwertige Biowaren mit den Labels Demeter, Bioland oder Naturland, doch 23 große Lastkraftwagen rollen jeden Tag auf den Straßen Süddeutschlands, um die etwa 550 Kunden – Erzeuger und Einzelhändler – zu erreichen. Was sollte daran „grün“ oder „umweltverträglich“ sein?, so die anfänglichen Zweifel der Anwesenden.

„Wir wollen ab 2020 klimaneutral sein und keine fossilen Brennstoffe mehr verwenden. Das haben wir bereits vor sieben Jahren beschlossen.“ Mit dieser überraschenden Feststellung verblüfft der Logistik-Experte die Zuhörer gleich zu Beginn und zieht sie in seinem folgenden Vortrag über die dazu nötigen, zum großen Teil schon erfolgten, technischen Maßnahmen in seinen Bann. So geht es z.B. um LKWs eines schwedischen Herstellers, die mit dem Bio-Kraftstoff HVO fahren, einem Ersatz-Diesel aus hydrierten Pflanzenölen und biologischen Abfällen. „Wir geben z.B. verdorbene, nicht mehr essbare Ware an einen Verwerter von Reststoffen und beziehen dann von ihm den Kraftstoff. Dabei erreichen wir CO2-Senkungen von bis zu 90 Prozent.“ Ein weiteres Beispiel sind Schwerlast-Fahrzeuge, die mit verflüssigtem Erdgas (LNG) unterwegs sind und 95 Prozent weniger CO2 ausstoßen als die herkömmlichen Diesel. Weitere technische Innovationen sind z.B. Hybrid-Fahrzeuge (Gas und Elektro), deren Batterien sich während des Bremsvorgangs aufladen, so dass bei der nächtlichen Anlieferung in den Innenstädten auf geräuschlosen Elektrobetrieb umgestellt werden kann. Die ohnehin geräuschärmeren Gas-Fahrzeuge sind auch deshalb wichtig, weil die Waren fast zu 90 Prozent nachts oder frühmorgens angeliefert werden. So sind die Anwohner der Bioläden nicht nächtlichem Lärm ausgesetzt. Doch nicht nur auf Brennstoffe kommt es an. Da rund die Hälfte des Sortiments aus Frische-Ware besteht, ist auch die Art der Transport-Kühlung sehr wichtig. Statt mit Diesel kühlt Bodan mit natürlichem CO2 aus einer Mineralquelle, was 75 Prozent weniger CO2-Emission bedeutet.
Auch das Betriebsgelände wird klimaneutral umgestaltet, z.B. mit Solaranlagen, umweltschonender Kältetechnik oder der Verwertung nicht verkaufter Lebensmittel. Der Gesamtverbrauch von Strom und Wärme stammt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien.

„Kaum zu glauben, welche Möglichkeiten sich hier abzeichnen. Aber man hört viel zu wenig davon“, stellt VCD-Mitglied Kurt Löhr aus Hüfingen fest. „Gibt es denn keine deutsche Firmen, die solche LKW-Modelle anbieten?“, möchte er wissen. „Wir fragen dort immer wieder nach“, so Hallerbach, „aber bisher gibt es in Deutschland niemand, der solche Alternativen entwickelt und anbietet.“ - „Die haben ihre Anstrengungen vermutlich mehr in die Software-Tricks zur Vertuschung der Emissionen gesteckt und hatten deshalb keine Zeit, Alternativen zu erforschen,“ merkt Herbert Gilly aus Rottweil sarkastisch an.

Natürlich kostet jeder Wagen einige zehntausend Euro mehr als ein herkömmlicher, dafür aber ist er langlebiger und von ganz anderer Qualität. „Außerdem ist es dies uns wert“, meint Hallerbach, „denn wir wollen nicht, dass unsere Enkel uns später mal fragen, was habt ihr denn damals gegen die Klima-Erwärmung gemacht? So denken alle bei uns“. Und der Firma geht es trotz der teuren Öko-Investitionen nicht schlecht: In den letzten Jahren hat sich der Umsatz jedes Jahr um ca. fünf Prozent erhöht, die Zahl der Mitarbeiter ist auf 220 Personen angestiegen.

„Man sieht, wenn der Wille da ist, ist es durchaus möglich, nachhaltig zu wirtschaften und die Waren umweltschonend zu transportieren,“ so das Fazit von Ekkehard Hausen, dem Sprecher der VCD-Kreisgruppe. „Deshalb würden wir uns viele Nachahmer auch für unsere Region wünschen. Es gibt ja sicher auch hier manche Firmen, die sich um CO2-arme Produktionsweisen bemühen und schon gute Ergebnisse zeigen. Aber in der Logistik-Sparte müssen sie sich, soweit uns bekannt ist, noch sehr anstrengen.“

Die Südwestpresse/Neckarquelle hat am 16.03.2018 passend dazu einen Artikel veröffentlicht ("Nachts schleicht der Lkw mit Elektroantrieb"), ebenso der Schwarzwälder Bote (06.03.2018: "Umweltfreundlich mit Gas und Elektro").

 

 

zurück