Baden-Württemberg

Fußverkehr, Verkehrsverbünde und ÖPNV

Projekt: zu Fuß zur Haltestelle

Im Rahmen eines bundesweiten Projekts des VCD wurden in Villingen-Schwenningen beispielhaft drei Haltestellen von uns untersucht und mit Noten versehen. Während die Haltestelle Harzerstraße in Schwenningen und der Busbahnhof in Villingen passabel abschneiden, weist die Haltestelle am Romäusring in Villingen erhebliche Mängel auf.

Bundesweites Projekt

Über insgesamt 24 Monate hat der Verkehrsclub Deutschland im Rahmen eines vom Umweltbundesamtes geförderten Projekts die Gelegenheit, Haltestellen in verschiedenen Orten Deutschlands zu untersuchen. Es wurde bereits ein Leitfaden für eine ansprechende Haltestellenauslegung erarbeitet, der zusammen mit den Erfahrungen aus den besuchten Orten dafür sorgen soll, dass künftig die Wege von und zur Haltestelle mit bedacht werden und somit der Fußverkehr gestärkt wird. Am 28. und 29. Oktober 2019 sind solche Untersuchungen in Villingen-Schwenningen durchgeführt worden. Dabei wurden die folgenden drei Haltestellen untersucht:

  • Villingen am Romäusring
  • Villingen Busbahnhof
  • Schwenningen Harzerstraße

Villingen am Romäusring

Diese Haltestelle wird vor allem von Schülerinnen und Schülern des nahegelegenen Gymnasiums am Romäusring genutzt. Diese haben die Wahl, entweder entlang schmaler Wege zur nächsten Kreuzung zu gehen oder die dunkle Unterführung zu nutzen. Letztere bietet zwar prinzipiell Schutz vor dem Verkehr, ist aber nur äußerst unangenehm zu nutzen (schlecht einsehbar, Gestank). Somit überrascht es nicht, dass sich manche Schülerinnen und Schüler für den kürzesten Weg entscheiden und die stark befahrene und nicht verkehrsberuhigte Straße direkt queren. Der VCD fordert hier, dass umgedacht wird und den Schülerinnen und Schülern eine sichere Querungsmöglichkeit geboten wird. Eine Verkehrsberuhigung auf Tempo 30, wie es an anderen Abschnitten des Rings zum Schutz von Kindergärten und Schulen der Fall ist, würde die Situation bereits entschärfen. Dazu ist über eine Umgestaltung der Haltestelle nachzudenken. Es sollte genug Platz geboten werden, damit die Busse beim Halt stets beide Türen zum Gehweg öffnen können und ein sicherer Ein- und Ausstieg möglich wird. Zusätzlich würde ein Zebrastreifen helfen, die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums vor dem Verkehr zu schützen. Die Verbesserungsmöglichkeiten wurden zusammen mit Vertretern der Stadtverwaltung während eines gemeinsamen Pressetermins (Links auf der Presseseite) diskutiert.

Villingen Busbahnhof

Mangels Barrierefreiheit steht der Bahnhof in Villingen seit Jahren in der Diskussion. In 2020 soll dieser nun modernisiert werden. Aber nicht nur der Bahnhof, sondern auch der Busbahnhof bedarf einiger Verbesserungen. Während dessen Ausbau generell als gut zu bezeichnen ist, fehlt es hinsichtlich der Barrierefreiheit an einigen Details. Beispielsweise fehlt es an akustischen Informationsmöglichkeiten (ebenso wie im gesamten Stadtgebiet) und das Blindenleitsystem ist zwar vorhanden, bedarf aber einer Erneuerung. Des Weiteren fehlt am Übergang zwischen Bahnhof und Busbahnhof eine Querungshilfe für beeinträchtigte Personen. An dieser Stelle könnte zudem durch eine visuelle Führung für alle Passanten eine einheitliche Querungsstelle geschaffen werden. Zwar wissen die Busfahrer und Busfahrerinnen, dass sie am Bahnhof besonders achtsam sein müssen, aber ein gemeinsamer Punkt für die Querung aller Fußgänger würde der Verkehrssicherheit weiter zuträglich sein. Diese Ansatzpunkte wurden während einer gemeinsamen Begehung zusammen mit Vertretern der Stadtverwaltung erörtert. 

Schwenningen Harzerstraße

Aus Villingen kommend stellt die Haltestelle in der Harzerstraße den ersten Halt zur Fußgängerzone in Schwenningen dar. Die Haltestelle selber ist nur grundlegend ausgestattet und bietet wenig Aufenthaltsqualität. Das ändert sich jedoch, sobald nur wenige Meter zur Fußgängerzone zurückgelegt werden. Diese ist ansprechend ausgestaltet und lädt zum Verweilen ein. Somit sind die Geschäfte und auch der Weg zum Busbahnhof für eine Rück- oder Weiterfahrt gut zu Fuß zu erreichen. Allerdings gilt das nicht für visuell eingeschränkte Personen. Denn das Blindenleitsystem ist derart gestaltet, dass entlang der Führungslinie (dunkles Grau als Kontrast zum Bürgersteig) alle paar Meter Tische, Stühle, Bänke oder gar Blumenkübel im Weg stehen. Dadurch wird die Barrierefreiheit in diesem Bereich stark beeinträchtigt. Darüber hinaus wird die Fußgängerzone durch eine für den Pkw-Verkehr freigegebene Straße zerschnitten. Während des Haltestellentests haben sich die Fahrer und Fahrerinnen in diesem Bereich als sehr vorsichtig gezeigt, dennoch kann diese Regelung zu Unklarheiten in der Bevorrechtigung führen.

Fazit

Im Rahmen der Haltestellenchecks wurden drei Haltestellen im Stadtgebiet exemplarisch untersucht. Diese sind zwar nicht als stellvertretend für die gesamte Stadt anzusehen (einige Haltestellen wie Romäustor oder Klinikum sind sehr gut ausgebaut), zeigen jedoch im einzelnen Verbesserungspotenzial auf. Als dringlichste Verbesserungsmöglichkeit hat sich das Schaffen von sicheren Querungsmöglichkeiten herausgestellt. Besonders der Bereich um Schulen ist besonders schützenswert und am Romäusring besteht deutlicher Nachholbedarf. In Zukunft sollte hier nachgebessert werden, um die Wege von und zum ÖPNV besser nutzbar zu machen und so das Ziel einer Verdopplung der Fahrgastzahlen im öffentlichen Verkehr Baden-Württembergs bis zum Jahr 2030 zu unterstützen.

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