Baden-Württemberg

Gesundheit, Auto, Verkehrspolitik

„Unzureichendes Stückwerk mit vielen offenen Fragen“: VCD zum Diesel-Beschluss der Bundesregierung mit Empfehlungen für Autofahrer

Berlin, 02.10.2018 - Pressekommentar: Der ökologische Verkehrsclub VCD kritisiert das von der Großen Koalition vorgelegte ‚Konzept für saubere Luft und die Sicherung der individuellen Mobilität in unseren Städten’ als „verwirrendes und unzureichendes Stückwerk mit vielen offenen Fragen“. Michael Müller-Görnert, Verkehrsreferent des VCD, kommentiert den Beschluss der Bundesregierung wie folgt:

„Es ist völlig unklar, ob und in welcher Höhe die Autohersteller die Kosten der Hardware-Nachrüstung tragen werden. Akzeptabel wäre nur eine komplette Kostenübernahme seitens der Hersteller. Außerdem stoßen neue Diesel der aktuellen Euro 6-Norm auf der Straße im Schnitt das Sechsfache des geltenden Abgasgrenzwertes für Stickstoffdioxid aus. Daher müssten auch diese Diesel-Pkw Teil des Pakets zur Nachrüstung sein. Das ist aber nicht vorgesehen.

Die Umtauschprämie ist eine reine Mogelpackung und nichts weiter als eine Konjunkturförderung für die Autoindustrie. Zum einen fahren die eingetauschten Pkw in wenig dicht besiedelten Gebieten weiter und emittieren ihre Giftfracht dann in Dörfern, Klein- und Mittelstädten oder sonst wo in der Welt weiter. Zum anderen könnten sich Autofahrer nach der derzeitigen Beschlusslage auch schmutzige neue Diesel der Euro 6-Norm kaufen. Die Bundesregierung treibt hier ein zynisches Spiel mit der Gesundheit von Millionen von Menschen.“

Der VCD kritisiert weiter, dass die Große Koalition das Paket lediglich für die 14 dreckigsten Städte auflegt und keine Lösung dafür bietet, wie Autos bei der Einfahrt in betroffene Städte auf ihren Stickoxidausstoß hin überprüft werden sollen. Die dafür sinnvolle Blaue Plakette für die Kennzeichnung sauberer Pkw lehnt die Regierung nach wie vor ab.

Besitzern von nicht nachrüstfähigen Euro 4-Dieseln empfiehlt der VCD: Falls sie ihren alten Diesel eintauschen wollen, sollten sich Autofahrer beim Kauf eines Neufahrzeugs entweder für einen Diesel oder Benziner der Euro 6d-TEMP-Norm entscheiden. Diese sind vergleichsweise sauber, genauso wie Hybrid-Fahrzeuge oder E-Autos. Alle anderen Autos stoßen nach wie vor viel zu viel Stickoxid aus und könnten bald von Fahrverboten betroffen sein. Wer sich einen Gebrauchtwagen kaufen will, der ist mit einem Benziner, Erdgas- und Hybridfahrzeug ohne Direkteinspritzung bereits ab der Euro 3-Norm auf der sicheren Seite. Gebrauchte Diesel empfiehlt der VCD auf keinen Fall.

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