Baden-Württemberg

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VCD-Exkursion in den ländlichen Raum: Bericht aus Überlingen - RegioBus- Gartenschau

Abseits der Ballungsgebiete tut sich der öffentliche Nahverkehr immer noch schwer: ein ausgedünntes Schienennetz, fehlende Lückenschlüsse, eingleisige Strecken und wenige Kreuzungsbahnhöfe lassen den Fahrplan schnell aus dem Takt geraten. Das mussten auch die 20 Teilnehmer der VCD-Exkursion nach Sigmaringen und Überlingen erfahren.

Die sehr gut nachgefragte IRE-Linie von Stuttgart nach Aulendorf wurde durch verspätete Gegenzüge immer wieder ausgebremst, einfach weil allenthalben Kreuzungsmöglichkeiten auf der eingleisigen Strecke fehlen. Unser erstes Ziel: die noch relativ junge RegioBus-Linie von Sigmaringen an den Bodensee. Das Land Baden-Württemberg fördert die Einrichtung solcher Buslinien als Ergänzung zum Schienennetz.
In Sigmaringen empfing uns der Referatsleiter Stefan Leinweber vom Landratsamt Sigmaringen. Vor vier Jahren wurde diese Linie als eine der ersten Regiobuslinien eingerichtet. Der RegioBus Donau-Bodensee soll eine Lücke im Schienennetz schließen. „Vorher fuhren nur Busse im Schülerverkehr“, erläuterte Herr Leinweber. „mit der durchgehenden Linie bis Überlingen konnten 30 Prozent mehr Fahrgäste gewonnen werden.“ Die modernen Busse fahren jeden Tag stündlich von morgens 6 Uhr bis Mitternacht und haben WLAN an Bord. Und der Clou: tariflich ist der RegioBus in den Naldo-Verkehrsverbund eingebunden. Fahrgäste aus den Landkreisen Reutlingen, Tübingen, Neckar-Alb und Sigmaringen können mit einer Tageskarte bis an den Bodensee fahren.
In etwa einer Stunde brachte der RegioBus die Gruppe bis zum ZOB nach Überlingen. Mit der Verlegung des Halts von Überlingen-Therme nach Überlingen Mitte am Rande der Altstadt wurde mit dem neu gebauten ZOB ein optimaler Verknüpfungspunkt zwischen Bus und Bahn geschaffen. Baubürgermeister Matthias Längin empfing die Gruppe und stellte uns das Verkehrskonzept der Stadt für die im kommenden Jahr stattfindende Landesgartenschau vor.
Vor mehr als zehn Jahren war die Altstadt ein einziger Parkplatz für Tagestouristen und verstellte den Blick auf das, was in der ehemaligen Freien Reichsstadt sehenswert ist. Bis die Stadtverwaltung entschied, die Innenstadt autofrei auszubauen und zu einer großen Fußgängerzone umzugestalten. Freie Durchfahrt haben nur noch die Radfahrer entlang des Bodensees – der MIV wird über Einbahnstraßen um die Stadt herum geleitet. Der Preis für diese Verkehrsberuhigung sind große Parkhäuser rund um die Stadt, die den ruhenden Verkehr aufnehmen. Bei einem Modal-Split von 90 Prozent im MIV sei das unumgänglich, stellt Bürgermeister Längin fest. Das Landesgartenschaugelände ist mit mehreren Gärten über die ganze Stadt verteilt und wird durch einen vier Kilometer langen Rundkurs erschlossen. Zwischen den einzelnen Teilen werden Shuttle-Busse verkehren. Kernstück der Gartenschau ist der neue Uferpark neben der Therme. Hierfür wurde die Uferstraße verlegt und mit der Bahnlinie gebündelt. Für Besucher, die mit dem Bus anreisen, ist der ZOB der zentrale Ausgangspunkt.
Geplant sind auch Kombi-Tickets mit den Verkehrsverbünden bodo (Landkreis Ravensburg und Bodenseekreis) und Naldo sowie mit der Bodensee Schifffahrt. Der VCD empfiehlt dies für die Anreise zur Landesgartenschau. „Der ländliche Raum holt beim öffentlichen Verkehr auf“, stellt Klaus Arnoldi vom VCD fest, „und die Stadt Überlingen zeigt, wie durch eine konsequente städtische  Verkehrspolitik eine lebenswerte Stadt entstehen kann.“

 

Exkursion Überlingen - RegioBus - Gartenschau

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