Baden-Württemberg

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VCD: FDP-Kritik an Bahnsteighöhenkonzept macht es sich zu einfach - komplexe Materie erfordert Kompromisse

VCD-Medieninformation - Mühlacker, 13.04.18: „Die FDP-Kritik am Bahnsteighöhen-Konzept der Landesregierung ist angesichts der Komplexität der Materie zu einfach gestrickt", erklärt VCD-Landesvorsitzender Matthias Lieb, der weiterhin das Landeskonzept als vernünftigen Kompromiss lobt.

„Das Wesen eines Kompromisses ist ja gerade, dass nicht alles aus allen Blickwinkeln optimal ist", so Matthias Lieb.

Verursacher der Probleme sei tatsächlich der Bund, der als Eigentümer der Bahn jahrzehntelang versäumt habe, einheitliche Bahnsteighöhen herzustellen, so der VCD. In den angrenzenden Ländern Frankreich, Schweiz und Österreich gelte eine landesweit einheitliche Bahnsteighöhe von 55cm, aber in Baden-Württemberg (und bundesweit) seien heute die Bahnsteighöhen zwischen 20 und 96cm bunt gemischt, so der VCD.

Damit in die neuen Züge von möglichst allen Stationen aus eingestiegen werden könne, würden diese mit einer Fußbodenhöhe von 55cm beschafft, deshalb sei es auch vernünftig, dass derzeit Bahnsteige auf eine Höhe von 55cm ausgebaut würden, wie dies in Pforzheim und Mühlacker erfolge -damit bestünde Barrierefreiheit für die nächsten 20 Jahre, erklärt Lieb.

Doch der Bund fordere nun eine neue einheitliche Bahnsteighöhe von 76cm. Dieser Pauschal-Forderung stelle die Landesregierung nun das Bahnsteighöhenkonzept gegenüber, das nicht einheitliche, sondern streckenspezifische Bahnsteighöhen vorsehe, um mit möglichst geringen Umbaukosten Barrierefreiheit in einem Zielzustand - d.h. nach Anpassung aller heute noch überhaupt nicht ausgebauten Bahnsteige - zu erreichen. Für diesen Zielzustand bleibe die Bahnsteighöhe für Bahnhöfe im Einzugsbereich der Stadtbahn Karlsruhe bei 55cm, im Einzugsgebiet des Stuttgarter Metropolexpress-Netzes werde die Höhe allerdings auf 76cm festgelegt (um den Mischverkehr mit der Stuttgarter S-Bahn mit 96cm zu berücksichtigen), beschreibt Lieb das Konzept. Übrigens erfolge diese Trennung in zwei Fahrzeugkonzepte westlich und östlich von Pforzheim schon 2019, ohne dass darüber FDP-Kritik laut geworden wäre, so der VCD.

Diese Trennung erfordere dann (in 20 Jahren) nochmals einen Umbau der Bahnhöfe in Pforzheim und Mühlacker, wenn dann Richtung Stuttgart wiederum neue Fahrzeuge mit 76cm Fußbodenhöhe eingesetzt würden. Die Alternative wäre, schon heute Mühlacker auf 76cm auszubauen und dann für 20 Jahre beim Ein- und Ausstieg eine Stufe von 20 cm überwinden zu müssen - will das die FDP?, fragt Lieb abschließend.

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