Baden-Württemberg

Güterverkehr, Schienenverkehr, Elektromobilität, Pressemitteilung

VCD fordert Elektrifizierungsoffensive im Schienenverkehr von Baden-Württemberg

Pressemitteilung Nr. 1/18 - Stuttgart, 24.01.18: Lückenschluss-Programm und Engpassbeseitigung notwendig

Ein Elektrifizierungs-, Lückenschluss- und Engpassbeseitigungs-Programm für das Eisenbahnnetz in Baden-Württemberg fordert der ökologische Verkehrsclub VCD.

Der Ausbau des Eisenbahnnetzes in Baden-Württemberg stehe zwar in vielen Programmen, komme aber kaum voran – seit 70 Jahren fehle das zweite Gleis der Gäubahn, die Rheintalbahn sei seit 30 Jahren im Bau. „Auf vielen Nebenstrecken in Baden-Württemberg behindern Elektrifizierungslücken den durchgängigen Güterverkehr, nur 63 Prozent des rund 4.100 Kilometer langen Eisenbahnnetzes in Baden-Württemberg sind elektrifiziert“, stellt VCD-Landesvorsitzender Matthias Lieb fest. Entsprechend fehlten auf vielen Achsen attraktive Direktverbindungen im Personenverkehr (z.B. bis zu 4x Umsteigen für die Verbindung Tübingen – Freiburg), zudem ist der Güterverkehr auf der Schiene auf vielen Strecken und Relationen nicht konkurrenzfähig.

Aus VCD-Sicht sind Bund und Land gefordert, kurzfristig ein Elektrifizierungs-, Lückenschluss- und Engpassbeseitigungs-Programm aufzulegen und umzusetzen. Damit werde ein Beitrag zum Erreichen der Klimaschutzziele und zur Luftreinhaltung geleistet und das Eisenbahnnetz im Südwesten leistungsfähiger und robuster gegenüber Störungen gemacht – gerade mit Blick auf die letztjährige Sperrung der Rheintalbahn bei Rastatt, betont der VCD.

Der Einsatz von innovativen Fahrzeugen, die elektrisch auch ohne Oberleitung fahren könnten, sei zwar im Einzelfall sinnvoll, würde aber nur für den Personenverkehr eine Lösung darstellen, für den Güterverkehr seien durchgängig elektrisch befahrbare Strecken notwendig, stellt der VCD fest.

Matthias Lieb: Ohne eine entsprechende Konzeption für Baden-Württemberg sei zu befürchten, dass mögliche Bundesmittel aus einem Bundes-Sonderprogramm zur Streckenelektrifizierung nicht in Baden-Württemberg zum Einsatz gelangten – das kurzfristige Bundesprogramm zur Modernisierung kleinerer Bahnstationen sei mangels Projekten in Baden-Württemberg auch nur gering in Anspruch genommen worden.

Nachdem gestern Bayern sein Konzept für ein Elektrifizierungsprogramm für die bayerischen Eisenbahnstrecken vorgelegt habe, sehe es deshalb der VCD als dringend notwendig an, dass auch in Baden-Württemberg eine entsprechende Konzeption erstellt werde.

Folgende 16 Strecken schlägt der VCD für einen vordringlichen Ausbau vor (ohne Strecken, für die Ausbauten schon konkret beschlossen sind und ohne Reaktivierungen):

M1. Gäubahn: zweigleisiger Ausbau (bisher geplant: wenige Doppelspurinseln)
M2. Frankenbahn: Herstellung Zweigleisigkeit Möckmühl – Züttlingen
M3. Murrbahn: Herstellung zweigleisiger Abschnitte
M4. Hochrheinbahn Basel – Schaffhausen: Elektrifizierung und zweigleisiger Ausbau
M5. Bodensee-Gürtelbahn: Elektrifizierung und zweigleisiger Ausbau
M6. Reaktivierung Rastatt – Wintersdorf – Roeschwoog (nach Frankreich)
M7. Strecke Horb – Tübingen: Schließen der Elektrifizierungslücke
M8. Strecke Öhringen – Schwäbisch-Hall: Schließen der Elektrifizierungslücke
M9. Brenzbahn Aalen – Ulm: zweigleisiger Ausbau und Elektrifizierung
M10. Südbahn: zusätzlich zur geplanten Elektrifizierung auch zweigleisiger Ausbau zw. Friedrichshafen und Lindau
M11. Lückenschluss Breisach – Colmar (Frankreich)
M12. Elektrifizierung Lauda – Crailsheim
M13. Elektrifizierung Donautalbahn Ulm – Sigmaringen
M14. Lückenschluss Ehingen – Erbach (elektrisch)
M15. Aulendorf – Kißlegg: Schließen der Elektrifizierungslücke
M16. Rottweil – Villingen: Schließen der Elektrifizierungslücke

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