Baden-Württemberg

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VCD fordert Lärmminderung durch Verkehrswende: Kurze Wege, sichere Fahrradwege, gut getaktete anschlusssichere Busse und Bahnen

PM 28/19 „Drei von vier Menschen fühlen sich Deutschland durch Straßenverkehrslärm belästigt“, so Matthias Lieb, Vorsitzender des ökologischen Verkehrsclub (VCD) in Baden-Württemberg. Die bisherigen gesetzlichen Regelungen zum Lärmschutz reichten offensichtlich nicht aus, das bestätigen auch die Lärmmessungen des SWR beim Thementag „Hier ist es zu laut“.

 

VCD unterstützt engagierte Bürger mit Lärm-Aktions-Koffer bei Aktionen vor Ort

Wenn krankmachender Lärm schöngerechnet werde, dann müssten Städte und Gemeinden ihre Bürgerinnen und Fachverbände intensiver an den Lärmaktionsplänen beteiligen. Die Geschädigten vor Ort wüssten genau, wann und wo es zu realen Lärmspitzen komme, die gemessen werden sollten. Modellrechnungen, die ein geschöntes Bild abgäben, bremsten in Sachen Lärm- und Gesundheitsschutz notwendige Maßnahmen aus, anstatt sie zu fördern.

Daher bestehe dringender politscher Handlungsbedarf. Lärm müsse an der Quelle bekämpft werden. Teure bauliche Maßnahmen wie Lärmschutzwände oder Flüsterasphalt, seien ebenso wie ökologisches Fahrtraining Bausteine für eine Lärmreduzierung, allerdings würden sie die Ursachen des Lärms nicht nachhaltig verhindern.

 „Die Stadt-, Quartiers- und Verkehrsplanung muss Wohnbezirke der kurzen Wege schaffen,  das vermeidet unnötigen Verkehr und schafft Lebensqualität in lebendigen Wohnquartieren“, sagt Matthias Lieb. Dafür müssten bessere Angebote für lärmarme Mobilität geschaffen werden, etwa attraktive Fußwege und sichere Fahrradwege. Das ÖPNV-Angebot müsse gut getaktet, anschlusssicher und komfortabel sein.

Ursache für Lärm und viele andere Probleme wie Stau und Schadstoffe sei, dass  Mobilität oft mit dem Gefühl der Freiheit und dem Besitz eines Autos als Statussymbol einhergehe. Viele Verkehrsteilnehmer fahren im eigenen, nur von einer Person einzeln genutzten PKW, das sorge für hohen Platzbedarf und hohe Emissionswerte, die nicht mit vernünftiger und effizienter Mobilität begründbar seien.

Zudem  werde auch für kurze Wege häufig das Auto genutzt: 16 Prozent aller Fahrten sind unter 2 Kilometer, obgleich Zufußgehen gesünder wäre, für die 35 % Fahrten unter 4 Kilometer gilt oft, dass Fahrradfahren schneller wäre.

„Im ökologischen Verkehrsclub VCD organisieren sich Menschen, die sich aktiv für die Mobilitätswende engagieren“ so Armin Haller, Landesgeschäftsführer des VCD.  Für Aktionen vor Ort unterstütze der VCD engagierte Bürger ganz konkret beispielsweise mit einem Lärmaktionskoffer. „Mit dem darin enthaltenen Schallpegel-Messgerät können Sie selbst die Lärmintensität an Ihrer Straße ermitteln und öffentlichkeitswirksame Aktionen durchführen.“ so Haller.
Auch NOx-Messgeräte oder Verkehrszähler mit Geschwindigkeitsmessung biete der VCD an. „Wir sind ein Mitmach-Verein, der sich vor Ort mit aktiven Menschen wie Elternvertretern und Rad-Initiativen vernetzt und diese unterstützt. Zum Beispiel mit der „Roter-Teppich-Aktion“ gegen Falschparker auf Fahrradwegen, oder mit der stark nachgefragten Gelben Karte, die man einfach Autos unter die Scheibenwischer klemmen kann, die auf Geh- oder Fahrradwegen parken.“

Wer im Sommer gerne bei offenem Fenster schlafe, der kenne die Geräusche, die Sounddesigner produzieren: Mit einmal kräftig beschleunigen, könne man mit dem Motorrad oder dem getuneten Auto im Extremfall hunderte Menschen auf einmal aus dem Schlaf reißen. Hier gebe es zukünftig für Kommunen die Möglichkeit, mit modernen Messgeräten, sogenannten „Lärmblitzern“ dagegen vorzugehen.
Der Markt der Autos mit exzessiven Geräuschemissionen nehme weiter zu, beklagt der VCD. Auch Firmen aus Baden-Württemberg beteiligten sich an Lärmdesign für Autos, sie sollten ihre technische Innovation aus Sicht des VCDs besser für Lärmvermeidung einsetzen. Ansonsten müsste über EU-Recht eine deutliche Begrenzung des maximalen Emissionspegels erreicht werden.

Hier zum Beitrag des SWR:

https://www.swr.de/unternehmen/kommunikation/pressemeldungen/Datenjournalismus-Hier-ist-es-zu-laut,datenjournalismus-hier-ist-es-zu-laut-110.html

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