Baden-Württemberg

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VCD fordert Mobilitätsgarantie für Fahrgäste in Baden-Württemberg

Pressemitteilung Nr. 4/18 - Stuttgart, 26.02.2018: Ein innovatives und faires Erstattungsmodell garantiert ein zuverlässiges Bus- und Bahnangebot und eine hohe Kundenzufriedenheit

Nutzerfreundlich, fair und innovativ – so sieht die Mobilitätsgarantie aus, die der VCD Baden-Württemberg für die Fahrgäste im Regionalverkehr Baden-Württembergs der Landesregierung vorschlägt. Damit will der VCD betroffenen Fahrgästen mit ihren Forderungen für pünktlichere Züge und bessere Entschädigungsregelungen Rechnung tragen. Denn leider seien trotz aller bisher ergriffenen Maßnahmen die Pünktlichkeitswerte immer noch niedrig, beklagt VCD-Landesvorsitzender Matthias Lieb.

Pendler fielen bisher meist durch das Raster der auf europäischer Ebene garantierten Fahrgastrechte, da sie erst ab 60 Minuten Verspätung einen Anspruch geltend machen könnten. Zudem müsse für jede verspätete Fahrt erst mühsam ein Erstattungsantrag gestellt werden. Das Land Baden-Württemberg könne indessen Strafzahlungen geltend machen – jüngst in Millionenhöhe – wenn die Verkehrsunternehmen die garantierte Pünktlichkeitsquote von zumeist 94 Prozent nicht einhielten, konstatiert der VCD.

„Das Land Baden-Württemberg hat anspruchsvolle Klimaschutzziele und möchte in den nächsten Jahren die Fahrgastzahlen bei Bus und Bahn verdoppeln – dazu ist eine hohe Kundenzufriedenheit notwendig, die derzeit nicht gegeben ist“, erklärt VCD-Landesvorsitzender Matthias Lieb.

Damit die Kunden im Nahverkehr in Baden-Württemberg zukünftig pünktlich ans Ziel kommen und die Züge zuverlässiger werden, fordert der VCD eine Mobilitätsgarantie für die Fahrgäste in Baden-Württemberg, bestehend aus vier Komponenten:

  1. Eine 10-Minuten-Garantie für Fahrgäste mit Einzelfahrscheinen – bei mehr als zehn Minuten Verspätung Erstattung des vollen Fahrpreises.
  2. Bei Nutzung von digitalen, zugbasierten Fahrkarten erfolgt eine automatische Erstattung nach Fahrtende in Abhängigkeit von der Verspätung (im Rahmen des BW-Tarifs).
  3. Eine Pendlerentschädigung (10 Prozent) für jeden Monat, in dem die vertraglichen Pünktlichkeitsziele auf der Pendlerstrecke nicht erreicht werden.
  4. Eine Neudefinition der Pünktlichkeitsmessung – Messung der Fahrgastpünktlichkeit statt der Zugpünktlichkeit.

Die Vorteile einer solche Regelung liegen klar auf der Hand, erklärt der VCD, denn schlussendlich profitierten alle – Verkehrsunternehmen, Kunden und Politik – von der Einführung einer fairen Entschädigungsregelung: Pendler erhielten zukünftig automatisch – ohne separaten Erstattungsantrag – Geld zurück, wenn die monatliche Pünktlichkeitsquote nicht eingehalten werde. Der Aufgabenträger und die Unternehmen würden ihre Bemühungen um pünktliche Züge verstärken und unterm Strich ergäbe dies auch höhere Einnahmen aufgrund steigender Fahrgastzahlen. Denn mit der 10-Minuten-Mobilitätsgarantie erhöhe sich die Verlässlichkeit der öffentlichen Verkehrsmittel, da bereits bei geringen Verspätungen die Fahrtkosten erstattet würden. Die Folge sei ein großer Imagegewinn für den öffentlichen Personenverkehr und eine gesteigerte Kundenzufriedenheit.

„All diese Maßnahmen sind in anderen Ländern schon längst erfolgreich im Einsatz und führen zu einer hohen Zufriedenheit der Fahrgäste bei der Nutzung von Bus und Bahn“, erläutert Matthias Lieb.

So messe die Schweiz nicht, wie in Deutschland üblich, die Pünktlichkeit des Zuges bei Ankunft, sondern die Pünktlichkeit des Reisenden am Zielort, die sogenannte Reisendenpünktlichkeit, bei der Umstiege mit berücksichtigt würden. Zudem werde die Zugdisposition im Störungsfall an der Reisendenpünktlichkeit ausgerichtet. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) rund um Frankfurt habe erfolgreich eine 10-Minuten-Garantie mit Geld-zurück-Garantie eingeführt, in Großbritannien würden ‚automatic delay repay‘ Systeme, die schon ab zwei Minuten Verspätung Erstattungsbeträge automatisch nach Fahrtende im Verzugsfalle gutschreiben, immer beliebter. In Österreich bekämen Pendler auf den Strecken, die regelmäßig unpünktlich sind, nachträglich automatisch 10 Prozent des Fahrkartenpreises erstattet, beschreibt der VCD diese vorbildlichen Ansätze.

Das Land Baden-Württemberg als Aufgabenträger für den Regionalverkehr stehe aus VCD-Sicht in der Pflicht, ein pünktliches und zuverlässiges Angebot auf die Schiene zu stellen. Da inzwischen die Einnahmenverantwortung beim Land liege, trage das Land auch die Verantwortung für die Zufriedenheit der Fahrgäste, so der VCD.

„Durch die Einführung von innovativen Entschädigungsregelungen – insbesondere mit einfachen, automatischen Erstattungslösungen ohne komplizierte Anträge – kann das Land die Kundenzufriedenheit deutlich erhöhen und damit auch die Basis für zusätzliche Fahrgäste im Regionalverkehr legen“, beschreibt Matthias Lieb die Vorteile für das Land bei der Einführung einer Mobilitätsgarantie für Baden-Württemberg.

Quellen:

Österreich
Entschädigungsregelung ÖBB:
http://www.oebb.at/de/rechtliches/zugausfall-oder-verspaetung

Schweiz
Pünktlichkeitsmessung bei der SBB:
https://company.sbb.ch/de/ueber-die-sbb/verantwortung/die-sbb-und-ihre-kunden/puenktlichkeit.html

Großbritannien
National Rail conditions of travel:
http://www.nationalrail.co.uk/times_fares/46427.aspx

Automatic Delay Repay bei c2c
https://www.c2c-online.co.uk/tickets-and-fares/c2c-smartcard/automatic-delay-repay/


Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV)
http://www.rmv.de/c/de/service/garantien-fahrgastrechte/rmv-10-minuten-garantie/

 

 

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