Baden-Württemberg

Mit dem Fahrrad zur Schule

Mit dem Fahrrad zur Schule

Viele Grundschulen sprechen „Fahrradverbote“ aus, bevor die Fahrradprüfung in der dritten oder vierten Klasse absolviert wird. Das Radfahrverbot dieser Grundschulen ist willkürlich. Eine gesetzliche Grundlage gibt es nicht, denn der Gesetzgeber überlässt diese Entscheidung den Eltern. Die Kinder sind auch mit dem Fahrrad auf dem Schulweg gesetzlich unfallversichert.

Verkehrspädagogen raten jedoch, Grundschulkinder nicht mit dem Rad zur Schule fahren zu lassen. Ihre Empfehlung: Kinder sollen lieber zu Fuß zur Schule laufen.  

Da die praktische Radfahrausbildung erst im dritten oder vierten Schuljahr durchgeführt wird, ist es ratsam die Kinder vorher nicht alleine mit dem Rad zur Schule fahren zu lassen.

Nach der Radfahrausbildung hängt die Entscheidung von zwei wichtigen Faktoren ab:

  • dem individuellen Entwicklungs- und Erfahrungsstand Ihres Kindes
  • der konkreten Verkehrssituation vor Ort

Keine leichte Entscheidung für die Eltern. Im Zweifel, sollten Sie Ihre Kinder lieber zur Schule laufen lassen.

Wenn Ihre Kinder ab der dritten oder vierten Klasse aus Ihrer Sicht aber fit genug für ihren Schulweg per Fahrrad sind und die Schule und Sie das unterstützen möchten, sollte Folgendes beachtet werden:

1. Helm aufsetzen: Auch wenn es in Deutschland keine Helmpflicht gibt, gehört er beim Radfahren immer auf den Kopf! Rund 37 Prozent der verletzten Radfahrer erleiden durch Unfälle Verletzungen am Kopf. Über 80 Prozent schwerer Verletzungen ließen sich durch das Tragen eines Helms vermeiden.

Und: Helme müssen nach einem Sturz unbedingt ersetzt werden. Auch wenn äußerlich keine Beschädigungen erkennbar sind. Kaufen Sie aus diesem Grund auch keine gebrauchten Helme. Nach fünf Jahren sollte ein Helm grundsätzlich ausgetaucht werden. Auch gut sichtbare und reflektierende Kleidung machen den Schulweg sicherer.

2. Gehweg benutzen: Kinder bis zum vollendeten achten Lebensjahr müssen beim Fahrradfahren den Gehweg benutzen. Ältere Kinder bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr dürfen den Gehweg benutzen. Hier müssen die Kinder besonders auf Fußgänger achten. Wenn die Kinder eine Straße überqueren heißt es: absteigen!

3. Verkehrssicheres Fahrrad: Das Fahrrad Ihres Kindes sollte absolut verkehrstauglich sein. Hier gibt es vom Gesetzgeber genaue Vorschriften, wie: zwei voneinander unabhängige, funktionierende Bremsen (für Kinder möglichst Hand- und Rücktrittbremse), eine Klingel, eine Lampe vorne (seit 2013 auch Lampen mit Akku- oder Batteriebetrieb), ein weißer Reflektor vorne, ein rotes Rücklicht, ein roter Reflektor hinten, vier gelbe Speichenreflektoren - sogenannte Katzenaugen - oder reflektierende weiße Streifen an den Reifen oder in den Speichen, rutschfeste Pedalen mit jeweils zwei Pedalreflektoren.
Achten Sie auch auf die richtige Größe und Einstellung des Kinderrads: Grundschulkinder sollten mit beiden Fußspitzen den Boden erreichen, wenn sie auf dem Sattel sitzen.

4.  Übung macht den Meister: Nur wenn Ihr Kind ein erfahrener und sicherer Radfahrer ist, sollten Sie es auf den Schulweg schicken. Vor allem die Erfahrung im Straßenverkehr spielt eine große Rolle. Üben Sie so oft wie möglich das Radfahren gemeinsam im Straßenverkehr. Beobachten Sie Ihr Kind, und machen Sie es auf typische Gefahrenquellen beim Radfahren aufmerksam wie Bordsteinkanten, Straßenüberquerungen oder Abbiegen.

5. Schulweg gemeinsam planen: Suchen Sie gemeinsam den sichersten - nicht den kürzesten - Schulweg aus. Üben Sie mit Ihrem Kind mehrfach den Weg mit dem Fahrrad, bevor Sie Ihr Kind alleine losschicken. Fahren Sie einige Male mit Abstand hinter Ihrem Kind her und prüfen Sie, ob es sicher genug ist, den Schulweg alleine mit dem Rad zu meistern.

Wenn das "Elterntaxi" aufgrund sehr langer Schulwege oder fehlender Infrastruktur nicht zu vermeiden ist, sollten unbedingt Fahrgemeinschaften gegründet werden. Außerdem empfehlenswert: In 300 bis 500 Meter Entfernung zur Schule einen gemeinsamen Punkt zum Aussteigen festlegen als sogenannte „Elterntaxi-Haltestelle“. So können die Kinder einen Teil der Strecke zu Fuß selber laufen.