Baden-Württemberg
Mobilitätsbildung (Foto: Marcus Gloger | vzbv)

Elterntaxi - das unterschätzte Risiko

Eine aktuelle Studie zeigt: Über ein Drittel der Kinder zwischen sechs und acht Jahren werden morgens mit dem Auto zur Schule gebracht. Viele Eltern möchten sichergehen, dass sie heil und gesund dort ankommen.

Aber, das Elterntaxi birgt viele Gefahren:

  • Es führt zu gefährlichen Verkehrssituationen und Unfällen vor der Schule und gefährdet somit andere Schülerinnen und Schüler.
  • Es hindert die Kinder selbstständig zu werden und Vertrauen in die eigenen Kompetenzen zu entwickeln.
  • Es belastet unnötig unsere Umwelt mit Schadstoffen.
  • Es hindert die Kinder daran, sich täglich zu bewegen und fördert Übergewicht.

Wie es besser geht und wie vor allem der Nachwuchs mit viel Spaß Bewegung und sicher zur Schule kommt, das zeigen die folgenden ausgewählten VCD-Projekte.

VCD-Projekte zum Mitmachen

Aktionswoche »Zu Fuss zur Schule und zum Kindergarten«

Der Verkehrsclub Deutschland engagiert sich seit vielen Jahren sehr erfolgreich für die Sicherheit und Selbstständigkeit der Kinder auf ihrem Schulweg mit zahlreichen Aktivitäten in Baden-Württemberg und bundesweit. Seit 2009 initiiert der VCD Bundesverband gemeinsam mit dem Deutschen Kinderhilfswerk e.V. das Aktionsbündnis „Zu Fuß zur Schule“. Schulen und Kindergärten können mit eigenen Aktionen teilnehmen und sich auf der Internetseite anmelden, um Material und Unterstützung vom VCD zu erhalten.

 

 

Zu-Fuss-zur-Schule-Aktion in Schwetzingen mit dem VCD Rhein-Neckar

VCD-Projekte vor Ort

Auch der VCD Regionalverband Rhein-Neckar unterstützt die kleinen ABC-Schützen auf ihrem sicheren Schulweg. In den Grundschulen in Dossenheim im Rhein-Neckar-Kreis verteilt Ute Zedler, Mitglied des VCD-Landesvorstands, Pixi-Bücher „Auf dem Schulweg“ an alle Erstklässler und berät Lehrer und Eltern. „Wir als VCD Landesverband in Baden-Württemberg möchten die Kinder in ihrer Selbstständigkeit und persönlichen Entwicklung stärken“, erzählt Zedler.

In Ulm startet die VCD-Ortsgruppe Ulm das Pilotprojekt „Verkehrsdetektive“ ab Herbst an der Grundschule Ulm-Jungingen. Kinder der Klasse eins bis vier können an interaktiven Stationen Wissen und Erfahrungen zum Thema Mobilität und Sicherheit im Straßenverkehr sammeln und ihre Wahrnehmung schulen. Das Highlight: Die Verkehrsbetriebe Ulm (SWU) stellen der Schule einen Linienbus auf dem Pausenhof zur Verfügung. Gemeinsam mit einem Busfahrer können sie das Fahrzeug entdecken, ihre Fragen stellen und die sichere Nutzung des Busses trainieren. Und: Mit einem Lärmkoffer können Kinder Lärmquellen messen und einordnen. In einem Bilderquiz müssen sie „richtige“ und „falsche“ Verkehrssituationen erkennen. „Kinder haben keine Macht im Straßenverkehr, aber sie haben eine Stimme. Eltern reagieren konstruktiv auf die Meinungen und Bedürfnisse der Kinder. Deshalb ist es wichtig, dass Kinder Mobilität erfahren und mitgestalten können“, weiß Heidi Sayle, Kreissprecherin der VCD-Ortsgruppe Ulm.

 

 

Kinder und Jugendliche, Pressemitteilung
Pforzheim/Enz

Laufbus statt Elterntaxi

Eltern können viel dazu beitragen, damit ihre Sprösslinge mit dem Beginn der Schule auch ohne Elterntaxi sicher eigenständig unterwegs sein können, ermutigt der öko­logische Verkehrsclub (VCD) e.V. die Erziehungsberechtigten. „Ein gutes Vorbild sein, eine sichere Strecke gemeinsam einüben, Kinder wach und ausgeschlafen los­schicken, sie sichtbar machen und keinen zu schwer gepackten Rucksack mitgeben“, rät VCD-Landes­vorsitzender Matthias Lieb den Eltern als Vorbereitung ihrer Kinder auf die Schule. „Auch für die Kleinen gilt: Übung macht den Meister! –Deshalb sollten Eltern vor dem Schulbeginn mit ihrem Nachwuchs den zukünftigen Schulweg festlegen, der nicht der kürzeste, sondern der mit den wenigsten Gefahrenstellen sein sollte. Diesen gilt es vorab gemeinsam abzulaufen und die möglichen kritischen Situationen intensiv zu trainieren.

Neben dieser Vor­be­reitung ihrer Sprösslinge durch die Eltern haben sich inzwischen alter­native Mobilitäts­konzep­te bewährt, mit denen die Jüngsten sicher zu Fuß unter­wegs sein können. Besonders Geh­gemein­schaf­ten, wie zum Beispiel der Laufbus, bieten eine Alternative zum Elterntaxi­transport bis vors Schul­tor. Zudem nimmt dieses Konzept Eltern die Angst vor diesem wichtigen Schritt in die erste Selbst­ständigkeit ihrer Kinder, erklärt Matthias Lieb: „Beim Laufbus legen je­weils mehrere Grundschul­kinder den Weg zur Schule so lange gemeinsam mit Erwachse­nen zurück, bis die Gruppe sicher genug ist, den Weg auch ohne Begleitung zu gehen. Dieser ‚Schulbus auf Beinen’hat dabei festgelegte Haltestellen und –zeiten sowie einen Streckenplan.

In Ölbronn und Maulbronn gibt es diesen Laufbus teilweise schon seit mehreren Jah­ren, doch in anderen Städten und Gemeinden im Enzkreis wird zwar über das Eltern­taxi lamentiert, aber wenig dagegen unternommen“, erklärt Matthias Lieb und ermun­tert die Eltern und Schulen, gemeinsam an ihrer Schule eine Laufbus-Aktion zu starten. Von den Laufbus-Haltstellen, die z.B. in Maulbronn eigene Haltestellen-Schilder, gehen die Erstklässler gemeinsam zu Fuß zur Schule, erläutert der VCD die Um­setzung.

Der VCD bietet Eltern neben der VCD-Aktion ‚Laufbus’, Tipps für Schulanfänger und Schulwechsler, und lädt Eltern und Schulen jedes Jahr dazu ein, bei den „Zu Fuss zur Schule“-Aktionstagen Ende September, gezielt autofreie Fortbewegungsformen mit ihren Sprösslingen auszuprobieren. "Kinder, die ihren Schulweg selbstständig zurück­legen, leben gesünder, lernen Geschwindigkeiten und Entfernungen besser einzu­schätzen, sich zu orientieren und sammeln so wichtige Erfahrungen, um sich sicher im Verkehr zu bewegen. Diese Chance sollten Eltern ihren Kindern nicht vorenthalten“, so Matthias Lieb, VCD Landesvorsitzender.

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