Baden-Württemberg

Abgasskandal

Manipulation der Diesel-Abgaswerte

Durch Abschaltungsvorrichtungen bei der Diesel-Abgasreinigung haben viele - auch deutsche - Autohersteller die offiziellen Abgasmessungen manipuliert. Dadurch liegen die Werte auf dem Prüfstand unter den verbindlichen Grenzwerten, der reale Ausstoß im Straßenbetrieb ist jedoch um ein Vielfaches höher.

Millionenfache Manipulation der offiziellen Abgaswerte

VW manipulierte die Abgaswerte von Diesel-Pkw mit einer unerlaubten Software. Diese erkennt offizielle Abgastests und sorgt dafür, dass in diesem Moment umweltfreundlich gefahren wird. Im Realbetrieb arbeitet die Motorsteuerung jedoch leistungs- sowie verbrauchsoptimiert, wodurch auf der Straße weitaus mehr Stickoxide emittiert werden.

Eine Untersuchungskommission im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums stellte im April 2016 fest, dass auch die Diesel-Pkw anderer Herstellern im praktischen Fahrbetrieb das erlaubte Maß um ein Mehrfaches überschreiten. Ursache dafür eine gedrosselte Abgasrückführung. Diese Maßnahme ist nach der der EU-Verordnung Nr. 715/2007 ausnahmsweise zugelassen, um den Motor und andere Bauteile zu schützen.

Problematisch ist dabei, dass beispielsweise beim Opel Zafira 1,6 CDTI bei über 70 Prozent der Fahrleistung eines durchschnittlichen Europäers die Abgasreinigung reduziert wird: Die Stickoxid-Reinigung fährt schon bei einer Außentemperaturen von unter 17 Grad (Mitteleuropäische Durchschnittstemperatur: 10 Grad) und über 33 Grad Celsius herunter, außerdem wenn die Drehzahl mehr als 2.400 U/min beträgt. Hohe Stickstoffbelastungen, vor allem im Winter, sind die Folge. Das ist besonders verheerend, weil zur kalten Jahreszeit oft Inversions-Wetterlagen mit einem verminderten Luftaustausch typisch sind.

Der Untersuchungsbericht des Kraftfahrtbundesamt beschreibt das große Thermofenster industriefreundlich als Lücken in der Verordnung. Deshalb werden im Bericht 27 von 53 getestete Diesel-Pkw - trotz teilweise stark erhöhten Stickoxidausstoß – in die Gruppe I mit unauffälligen Verhalten eingruppiert. 22 Fahrzeugmodelle befinden sich in der Gruppe II, weil die Hersteller keine ausreichenden Erklärungen für die überhöhten Realemissionen abgeben konnten. Vier Modelle von VW bilden die Gruppe III, weil bei ihnen bereits unzulässige Abschalteinrichtungen festgestellt wurden.