Baden-Württemberg

Der VCD beobachtet und kommentiert verkehrspolitische Entscheidungen, mischt sich mit eigenen Forderungen und Konzepten in die politische Debatte ein und veranstaltet Aktionen und Kampagnen für ein Umdenken von Staat und Gesellschaft.



BW, Infrastruktur, Pressemitteilung, Verkehrspolitik, Verkehrsverbünde und ÖPNV
Landesverband BW

VCD: Oberirdische Gleise in Stuttgart weiterhin notwendig. Vollständiger Abriß der Gleisanlagen wäre Schildbürgerstreich

Pressemitteilung Nr. 20/19. Die Diskussion über die ausreichende Leistungsfähigkeit des zukünftigen Stuttgarter Durchgangsbahnhofs im Stuttgart21-Ausschuss des Stuttgarter Gemeinderates erfolgte heute auf Basis der Beiträge von DB AG und Verkehrsministerium Baden-Württemberg - der Antrag der Gemeindratsfraktion SÖS-Linke-PluS, auch die Position des Verkehrsclub Deutschland (VCD) anzuhören, wurde leider von der Mehrheit abgelehnt.

Präsentation zur Infrastruktur der Eisenbahn in Stuttgart
Präsentation von Matthias Lieb erstellt für den Stuttgart21-Ausschuss des Stuttgarter Gemeinderates vom 16. Juli 2019 - PDF bitte mit Klick öffnen.

Aus Sicht des VCD stellt der Stuttgarter Hauptbahnhof die Verkehrsdrehscheibe für ganz Württemberg dar, hier werde vom Fern- auf den Regionalverkehr umgestiegen. „Die Landeshauptstadt Stuttgart trägt eine große Verantwortung für einen funktionsfähigen Eisenbahnverkehr in ganz Württemberg, dies darf nicht einseitig dem Städtebau untergeordnet werden“, erklärt VCD-Landesvorsitzender Matthias Lieb.

Während der Deutschland-Takt einen Halbstunden-Takt zwischen den großen Städten vorsehe, seien in der Schweiz und den Niederlanden schon längst 5-7 Züge pro Stunde zwischen den Großstädten, z.B. zwischen Bern und Zürich oder Utrecht und Amsterdam unterwegs, so der VCD. Deshalb seien die Schweizer auch Europa-Meister im Bahnfahren, stellt Matthias Lieb fest.

In Stuttgart werde derzeit die Zugzahl durch den Engpass bei Zuffenhausen limitiert. Dort stehe nur ein Gleis für alle Züge aus dem Westen und dem Norden des Landes zur Verfügung, so der VCD. Schon der Stresstest habe dort einen deutlichen Verspätungsaufbau gezeigt, zeigt Matthias Lieb auf.

Der VCD stimme mit der DB überein, dass angestrebt werden müsse, die Fahrzeit zwischen Mannheim und Stuttgart auf 30 Minuten zu reduzieren und dabei auch den Engpass bei Zuffenhausen zu beheben. Allerdings hätten alle Gutachten und die Planfeststellung zu Stuttgart 21 gezeigt, dass die Behebung des Engpasses Zuffenhausen zusätzliche Gleise im Hauptbahnhof benötige, erklärt Matthias Lieb.

„Klar ist, dass diese Erweiterung des Tiefbahnhofs baulich nicht möglich ist, so dass die zusätzliche Kapazität durch den Erhalt von Teilen des Kopfbahnhofs und seiner Zulaufstrecken am Einfachsten möglich ist“, erläutert Matthias Lieb.

Insofern wäre eine jetzt finale Entscheidung über den vollständigen Abriß der oberirdischen Gleisanlagen aus VCD-Sicht ein Schildbürgerstreich. Der VCD erinnert an den Bau der S-Bahn, die zunächst dreigleisig bis zur Stadtmitte geplant, aber nur zweigleisig realisiert worden sei. Auch hier gäbe es immer wieder die nachvollziehbare  Forderung, zusätzliche Bahnsteige anzulegen, was aber regelmäßig aufgrund immenser Kosten zu den Akten gelegt werde. Auch bei der S-Bahn-Station Mittnachtstraße habe die Anfangsplanung des Jahres 1994 noch 4 Bahnsteiggleise vorgesehen, während jetzt nur 2 Gleise realisiert würden und dies inzwischen auch als Engpass gesehen werde, so der VCD. „Während der Bau des Stuttgarter Hauptbahnhofs vor 110 Jahren großzügig dimensioniert wurde, sind die späteren Bauten für die S-Bahn und jetzt Stuttgart 21 nicht ausreichend zukunftsfähig gestaltet“ stellt Matthias Lieb fest.

Statt nun Pläne zu diskutieren, wie zukünftig wieder ein zusätzlicher Kopfbahnhof gebaut werden könne, wäre es tatsächlich einfacher, Teile des Kopfbahnhofs und seiner Zuläufe zu erhalten und den Städtebau auf den Flächen unter Berücksichtigung dieses Erhalts der Gleise umzuplanen, so der VCD.

Weiter fordert der VCD, die baubedingte Unterbrechung der Gäubahn zu unterlassen, um die Erreichbarkeit des Verkehrsknotens Stuttgart Hauptbahnhof aus Richtung Süden weiterhin zu ermöglichen und um das S-Bahn-Notfallkonzept sicherzustellen.

Abschließend begrüßt der VCD den Vorschlag des Verkehrsministeriums, dass sich Land, Stadt, Region und DB über einen weiteren Ausbau der Stuttgarter Infrastruktur in einer Arbeitsgruppe verständigen sollten.

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