Baden-Württemberg

Der VCD beobachtet und kommentiert verkehrspolitische Entscheidungen, mischt sich mit eigenen Forderungen und Konzepten in die politische Debatte ein und veranstaltet Aktionen und Kampagnen für ein Umdenken von Staat und Gesellschaft.



BW, Infrastruktur, Schienenverkehr, Verkehrspolitik
Landesverband BW

VCD: Verkehrswende erfordert leistungsfähige Bahn

Nach der Europawahl fordern diskutiert erfreulicherweise auch die Politik über Klimaschutz im Verkehrssektor. In Baden-Württemberg gilt es aber, viele Engpässe zu beseitigen, damit steigende Fahrgastzahlen nicht zum Problem werden.

Zu viele Bahn-Engpässe in Baden-Württemberg - Pressemitteilung Nr. 17/19

Nach der Europawahl wird verstärkt auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene über Klimaschutz im Verkehrssektor diskutiert, stellt der ökologische Verkehrsclub Deutschland VCD, Landesverband Baden-Württemberg, erfreut fest. Es werde immer deutlicher, dass nur eine reine Elektrifizierung des Autoverkehrs nicht ausreichend, sondern vielmehr eine Verkehrswende notwendig sei, d.h. eine deutliche Verschiebung der Verkehrsanteile zugunsten des sog. Umweltverbundes aus zu Fuß gehen, Radverkehr und ÖPNV.

Auch die Deutsche Bahn schlägt nun mit dem Konzept „Starke Schiene“ eine Neuorientierung der Bahnpolitik vor - mehr Züge und vor allem pünktliche Züge sollen deutlich mehr Personen- und Güterverkehr auf der Schiene ermöglichen. Der VCD begrüßt diese Pläne der Bahn, die aber noch der Zustimmung des Aufsichtsrates bedürfen und eine Neuorientierung des Infrastrukturausbaus des Bundes erfordern.

„Für eine Verkehrswende bedarf es einer leistungsfähigen Eisenbahn als Rückgrat, doch gerade in Baden-Württemberg sind noch viele Eisenbahn-Engpässe zu beseitigen“,  erklärt VCD-Landesvorsitzender Matthias Lieb. So sollen zwar die Fahrgastzahlen bei Bus und Bahn verdoppelt werden, was aber aus VCD-Sicht auch eine entsprechende Eisenbahn-Infrastruktur erfordere.

Rheintal- und Gäubahn: Bund spart bei Zügen, baut lieber Autobahnen

23 Jahre nach dem Vertrag von Lugano zwischen der Schweiz und Deutschland, der den Ausbau der Rheintalbahn und der internationalen Eisenbahnstrecke Stuttgart - Zürich regele, sei auf der letztgenannten noch nicht einmal mit dem Ausbau begonnen worden und im Rheintal stecke der Bohrer immer noch im Rastatter Tunnel fest, bemängelt der VCD.

„Das Versäumnis liegt ganz klar beim Bund, der bislang lieber in neue Autobahnen als in leistungsfähige Zugstrecken  investiert und bei der Bahn noch dazu die falschen Projekte wie z.B. Stuttgart 21 fördert“, beklagt Matthias Lieb.

Nach aktuellen Planungen solle der viergleisige Ausbau der Rheintalbahn nun im Jahr 2042 beendet sein - 55 Jahre nach Baubeginn! Bei der Gäubahn hingegen stehe der weitere Zeitplan für den Ausbau noch gar nicht fest, man wisse nur, dass die Landeshauptstadt Stuttgart die internationale Zugverbindung in die Schweiz im Vorort Stuttgart-Vaihingen kappen wolle, um frühzeitig die Eisenbahnflächen für andere Zwecke nutzen zu können, kritisiert der VCD die kurzsichtige Verkehrspolitik der Landeshauptstadt.

Stuttgart 21 zu klein geplant

Dabei stelle gerade die Verkehrswende aus VCD-Sicht zusätzliche Anforderungen an Stuttgart als dem Herz des württembergischen Bahnverkehrs. Die jetzt bekannt gewordenen langen Umsteigezeiten im geplanten Deutschlandtakt zeigten, dass der in Bau befindliche Bahnhof Stuttgart 21 samt seiner Zulaufstrecken zu  gering dimensioniert sei, so der VCD.

Matthias Lieb: „Stuttgart 21 wurde vor 25 Jahren mit deutlich geringeren Erwartungen an den zukünftigen Bahnverkehr geplant - wie in Zürich müsste auch in Stuttgart der neue Bahnhof zusätzlich und nicht als Ersatz für den bestehenden Kopfbahnhof gebaut werden“. Der VCD fordert auch zusätzliche Gleise zwischen Stuttgart Hbf und dem Beginn der Schnellfahrstrecke bei Zuffenhausen zur Trennung des Fern- und Regionalverkehrs, denn sonst würden die ICE-Züge Richtung Mannheim und Karlsruhe den Nahverkehr nach Heilbronn und Pforzheim ausbremsen.

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