Baden-Württemberg

Luftqualität

Schadstoffe schädigen die Gesundheit

Schadstoffe beeinträchtigen nicht nur die Luftqualität, sondern schädigen auch Umwelt und Mensch. Besonders in den Fokus gerät dabei zunehmend Stickstoffdioxid.

Schadstoffe in der Luft

Besonders hoch sind die Belastungen in Ballungsräumen, da der Verkehr ein großer Verursacher für Luftschadstoffe ist. So ist er für rund 45 Prozent der Stickstoffoxide und circa 20 Prozent des Feinstaubs verantwortlich. Die folgende Grafik zeigt: Die Belastung vieler Schadstoffe in der Luft ist rückläufig. Dennoch werden viele Grenz- und Zielwerte überschritten - besonders bei Feinstaub (PM10), Stickstoffdioxid und Ozon. Das gefährdet die menschliche Gesundheit.

Stickstoffdioxid

Obwohl sich der Ausstoß von Stickoxiden zwischen 1990 und 2015 jährlich von fast 2.900 um 60 Prozent auf circa 1.200 Kilotonnen verringerte, stellt Stickstoffdioxid nach wie vor eine große Gefahr für die Gesundheit dar. Hauptquelle für Stickoxide im urbanen Raum: der Straßenverkehr durch die Gasbildung Gas bei der Verbrennung von Benzin und Diesel. Deshalb werden die höchsten Konzentrationen an viel befahreneren Straßen gemessen. In Baden-Württemberg werden die zulässigen Jahresmittelwerte von NO2 (= Stickstoffdioxid) an 29 Messstellen überschritten. Der EU-Grenzwert beträgt 40 µg/m3. Die höchsten Werte werden deutschlandweit in der Landeshauptstadt Stuttgart gemessen. Dort beträgt der Jahresmittelwert am Neckartor 82 µg/m3. Stickstoffdioxid ist für Menschen, Umwelt und Pflanzen schädlich. Zusammen mit Kohlenwasserstoffen sind sie darüber hinaus für die sommerliche Ozonbildung verantwortlich. Außerdem tragen die Stickoxide in Verbindung mit ammoniakhaltigen Gasen auch zur Feinstaubbelastung bei.

Diesel und Stickstoffdioxid

Dieselautos stoßen in der Stadt über 70 Prozent des verkehrsbedingten Stickstoffdioxids aus. Ein Hauptgrund dafür sind die viel zu hohen Abgaswerte durch Manipulationen: Sogar modernste Diesel-Fahrzeuge der Schadstoffklasse Euro 6 stoßen teilweise ein über Zehnfaches an Stickstoffdioxiden aus als vergleichbare Benziner. Laut Kraftfahrtbundesamt ist jedes dritte Auto in Deutschland ein Diesel.

Gesundheitliche Auswirkungen der Schadstoffe

Der Mensch inhaliert circa 10.000 Liter Luft am Tag. Dabei nimmt er neben dem lebenswichtigen Sauerstoff auch jede Menge Schädliches auf: Stickoxide, Feinstaub, Viren, Bakterien,… Trotz vielfältiger Schutz- und Abwehrmechanismen im Körper gelangen feinste Schadstoffpartikel in den Organismus. Im Schnitt verkürzen Luftschadstoffe laut Umweltbundesamt unsere Lebenserwartung um zehn Monate. Außerdem können siegravierende gesundheitliche Auswirkungen haben.- so erhöht Feinstaub beispielsweise das Risiko für Schlaganfall sowie Herzinfarkt, Dieselruß wirkt krebserregend und Reizgase wie Ozon und Stickoxide begünstigen die Entstehung von Asthma und Bronchitis. Zur Risikogruppe gehören Kinder, Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen wie Allergien und Atemwegserkrankungen.

Gesundheitliche Auswirkungen von Stickstoffdioxid

Nach Berechnungen der Europäischen Umweltagentur sind 2012 allein in Deutschland 10.400 vorzeitige Todesfälle auf die Stickoxide zurückzuführen. Modellberechnungen (http://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/aa8850/pdf) zeigen, dass davon die Hälfte dem Verstoß gegen die Abgasnormen durch Dieselautos zuzuschreiben ist. Im Vergleich dazu gibt es in Deutschland jährlich circa 3.000 Verkehrstote.
Stickstoffdioxid greift die Schleimhäute an und wirkt daher reizend auf die Atemwege. Außerdem verengt bereits eine geringe Konzentration an Stickoxiden die Bronchien und Blutgefäße. Das macht sich akut durch Hustenreiz, Atembeschwerden und Augenreizungen bemerkbar. Es kann darüber hinaus auch zu Asthma, Bronchitis sowie Herz-Kreislauferkrankungen führen. Besonders gefährdet sind Menschen, die in der Stadt leben, da in Ballungsgebieten die Belastungen im Vergleich zum Umland stärker sind.

Blaue Plakette

Aus Sicht des VCDs ist die Einführung einer blauen Plakette alternativlos. Bisher werden die farbigen Umweltplaketten nur im Hinblick auf den Ausstoß gesundheitsschädigender Partikel, dem Feinstaub, vergeben. Der NOx-Grenzwert spielt bislang keine Rolle. Eine blaue Plakette würde nach einem VCD-Vorschlag auf Grundlage aller auf der Straße e , also im Realtest, erhobenen Schadstoffemissionswerten erteilt werden. Somit können Fahrzeuge gekennzeichnet werden, die tatsächlich niedrige Schadstoffemissionen aufweisen. Und: Es wäre ein wirksames Instrument für Städte, die Zufahrt in hochbelastete Gebiete für schadstoffreiche Fahrzeuge zu beschränken. Der Druck auf die Autoindustrie kann zudem erhöht werden, verstärkt Fahrzeuge auf den Markt zu bringen, die umweltschonend sind.