Esslingen
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Auf der Tour de Verkehrswende 2025

Eine verkehrspolitische Radrunde durchs Ruhrgebiet und Rheinland

Matthias Flacke, VCD Esslingen

5 Jahre TdV

 

Seit nunmehr 5 Jahren fährt die Tour de Verkehrswende in jedem Sommer durch Deutschland, um für lebenswerte Städte und eine echte Wende in der Mobilität zu demonstrieren. 

Am Freitag, dem 22. August machten sich 50 engagierte RadlerInnen und etliche Tagesgäste auf den Weg durch Nordrhein-Westfalen. Die Tour begann diesmal in Münster und führte durch verschiedene Städte des Ruhrgebiets und Rheinlands, um nach einem kurzen Abstecher in die Niederlande am Dom in Köln zu enden.

 

Ein Hoch auf das Orga-Team


Ursprünglich organisiert von der Berliner Initiative Changing Cities, ist die Organisation mittlerweile weitgehend an die Freiwilligen aus der Community und ehemaligen TeilnehmerInnen übergegangen. 
Für mich persönlich war es die erste Tour, aber ich brauchte nicht lange, um zu begreifen, welch ein riesiger Aufwand in der Organisation solch einer Fahrraddemonstration über Land steckt. So gilt es, den Kontakt mit lokalen Initiativen herzustellen und die vielen Events und Demonstrationen unterwegs zu organisieren. Für die Übernachtungen müssen geeignete Zeltplätze gefunden werden. Die oft mühevolle Anmeldeprozedur der Demonstrationen sowie die Kommunikation mit den unterschiedlichen Polizeidienststellen kosten viel Zeit. 
Am einfachsten scheint da noch die Organisation der Verpflegung. Fläming Kitchen begleitete wie immer die Gruppe während der gesamten Zeit und sorgte mit ihrer veganen Kost auch bei Nicht-Veganern für große Begeisterung.
Hut ab, liebes Orga-Team! Und vielen Dank für die fantastische Tour!

 

Marode Infrastruktur in NRW

 

Die TdV war auf allen deutschen Etappen als Demonstration angemeldet und wurde von der Polizei begleitet. Neben dem Gewinn an Sicherheit brachte die Polizeibegleitung auch eine bessere Sichtbarkeit. Zudem war es ein Genuß, statt uralter Radwege fein asphaltierte Landstraßen befahren zu dürfen. So dachten wir jedenfalls, bis tiefe Schlaglöcher, Längsrisse und Flickenteppiche auf den Straßen der NRW-Städte uns eines Besseren belehrten. Angesichts dieser maroden Infrastruktur war es ein Wunder, dass wir unsere Vision Zero verwirklichen konnten und die 700 Kilometer ohne jeden Unfall hinter uns brachten.

Aber nicht jede Infrastruktur war in einem solch katastrophalen Zustand. Die Wuppertaler Nordbahntrasse erfüllt den Radschnellwegstandard und ist mit ihren 22 Kilometern Länge mittlerweile ein wichtiger Bestandteil Wuppertaler und regionaler Mobilität. Dass diese tolle Strecke durch das bürgerschaftliche Engagement der Wuppertalbewegung geschaffen werden konnte, ist Ansporn für alle Mobilitätsinitiativen in Deutschland.

 

Der eigentliche Schatz der Tour: die Menschen


Stichwort Mobilitätsinitiativen: fast jeder von uns engagiert sich in seiner eigenen Kommune irgendwo in der Verkehrspolitik. Auf der TdV gab es während der langen Fahrten Gelegenheit zum intensiven persönlichen Gespräch. Es ist interessant, wie die immer gleichen Probleme in anderen Städten angegangen werden, welche Projekte dort Priorität haben und wie die Kommunikation mit Verwaltungen und Politikern funktioniert.
 

 

Die TdV im NRW-Kommunalwahlkampf


Eine gute Idee war es, die TdV in ein Bundesland zu legen, in dem gerade die Kommunalparlamente neu gewählt werden. Mobilität ist eine der zentralen Fragen kommunaler Politik, ausserdem dürfen die Kommunen seit der StVO Novelle 2024 einiges mehr. So waren wir mit unseren Positionen und Fragestellungen sehr gefragt und Teil mehrerer Politikerbefragungen und Podiumsdiskussionen.

So zum Beispiel auf dem Kaiserplatz in Düren, wo wir eine Diskussion zwischen dem Bürgermeister und seinem Herausforderer mit unseren verkehrspolitischen Forderungen “anreicherten”.

 

Diskussion mit NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer

 

In vielen Kommunen, die wir durchfuhren, sammelten wir die Forderungen der lokalen Verkehrsinitiativen und übergaben sie dann dem nordrhein-westfälischen Verkehrsminister Oliver Krischer. Der Abend mit dem Minister, der auf die durchaus kritischen Fragen ehrliche und erhellende Antworten gab, war einer der Höhepunkte der diesjährigen TdV.

 

Vision Zero

 

Zurück zur "Vision Zero": In Hürth fuhr vor 3 Monaten ein Autofahrer ungebremst in eine Gruppe von Schulkindern, zwei Menschen starben dabei. Die TdV gedachte der Opfer mit einem Schweigemarsch zur Unfallstelle.
Hier schließt sich ein Kreis, denn zwei Teilnehmer der TdV stammen aus Esslingen, wo im Herbst eine Mutter mit ihren zwei Kindern von einem SUV-Fahrer getötet worden waren. An beiden Unfallstellen sind die Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit nach wie vor völlig unzureichend bis gar nicht existent. Und das nicht nur dort: "Vision Zero" bleibt eines der wichtigsten Themen für die Verkehrswende.

Veedeltour in Köln


Mein persönliches Highlight war der Samstag mit einer großen Kölner Tour der Veedel-Initiativen (für alle Nicht-Kölner: Veedel = Stadtviertel). Beginnend bei den Schulstraßen, ging es über die Venloer Straße, die als freigegebene Einbahnstraße mittlerweile mehr Radverkehr als Autoverkehr zeigt.

 

Dann zum Ring mit der Geschwindigkeitsbegrenzung von Tempo 30 und seinem auch nach Auskunft der KölnerInnen sehr entspannt befahrbaren Radweg. Weiter in die Südstadt, wo gerade die Luxemburger Straße per Lärmaktionsplan auf Tempo 30 reduziert wurde. Die verschiedenen Superblock-Initiativen im Stadtpark- und Agnesviertel sind auf einem guten Weg, und am Schluß besuchten wir noch das autofreie Viertel in Nippes, das schon vor mehreren Jahrzehnten seine Verkehrswende absolviert hat. 

Es gibt viel zu tun, aber in Köln ist die Verkehrswende definitiv auf dem Weg.

 

Und die TdV 2026?

 

Im Moment sieht es so aus, als würde 2026 irgendwo in Deutschland die 6. Tour de Verkehrswende stattfinden. Die Teilnahme ist offen für alle, man braucht kein High-Tech Fahrrad und man muss auch kein Sportler sein. 
Vermutlich ist es am einfachsten, den Changing Cities-Newsletter zu abonnieren. Dort gibt es ein Jahr lang Anregungen zur Verkehrswende und auf jeden Fall rechtzeitig einen Hinweis, wie man an der TdV 2026 teilnehmen kann.

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