Esslingen
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CDU bekommt Mehrheit für Sperrzeiten in den Fußgängerzonen

Gemeinderatsentscheidung in Esslingen: Innenstadt wohl bald per Fahrrad nicht mehr erreichbar

Gastronomie, Geschäften und viele weiteren Einrichtungen in der Innenstadt sollen für BesucherInnen und BewohnerInnen gut erreichbar sein. 

Deshalb sind seit 2021 in fast allen Esslinger Fußgängerzonen (ausgenommen Innere Brücke und Bahnhofstraße während des Wochenmarkts) Menschen zu Fuß und auch mit dem Fahrrad willkommen. 
Die Schilder „Radfahren frei“ an den Eingängen der Fußgängerzonen geben Fußgängern Vorrang, aber erlauben das Radfahren in Schrittgeschwindigkeit.

Auf Antrag der CDU-Fraktion hat jedoch am 14.7.2026 die Mehrheit des Gemeinderats beschlossen, dass Radfahren in Schrittgeschwindigkeit zu bestimmten Zeiten in der Küferstraße, der Bahnhofstrasse, der Pliensau und der Metzgerbach zukünftig verboten werden soll. 

Als Sperrzeiten stehen nun die Ladenöffnungszeiten im Raum bzw. eine Freigabe ausschließlich noch zu den Lieferzeiten. 

Bis zur Sitzung des zuständigen Ausschusses, am 21. Oktoiber, muss die Stadtverwaltung konkrete Sperrzeiten vorschlagen.
Die Fachexperten der Stadtverwaltung halten jedoch die aktuelle Regelung für sinnvoll und praxisbewährt und empfehlen, sie so beizubehalten. Lesen Sie dazu die städtische Beschlussvorlage mit der ausführlichen Begründung.
Denn wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Freigabe erheblich mehr Vor- als Nachteile bringt und Geschäfte und Gastronomiebetriebe von der Erreichbarkeit mit dem Fahrrad erheblich profitieren. Von Sperrzeiten wären also negative Auswirkungen auf die Belebung der Innenstadt, auf Handel und Gastronomie zu erwarten.


Vermutlich haben viele der GemeinderätInnen, die Sperrzeiten fordern, einige wenige vor Augen, die sich nicht an die Schrittgeschwindigkeit halten und zu schnell durch die Fußgängerzone fahren. Untersuchungen zeigen: diese Personengruppe, die sich nicht an die vorgeschriebene Schrittgeschwindigkeit hält, hält sich auch nicht an ein Verbot. Sperrzeiten und Verbote allein verhindern zu schnelle Durchfahrten also nicht. Und wirksame Kontrollen kann das Ordnungsamt aus Kapazitätsgründen nicht leisten. 

Sperrzeiten würden also diejenigen Menschen treffen, die heute bereits mit dem Fahrrad kommen und sich regelgerecht verhalten. Und sie würden Handel, Gewerbe und Gastronomie treffen und wären damit ein Schaden für unsere attraktive Esslinger Innenstadt.
Das zeigen die Forschungsergebnisse der Fachhochschule Erfurt (Zusammenfassung auf Seite 116) und die Radsam-Kampagne


Dem ist die CDU-Fraktion aber leider nicht gefolgt. Sie konnte sogar weitere Gemeinderäte von SPD, Freien Wählern, FDP und AfD hinter ihre Forderung nach Sperrzeiten bringen. 
Die Gemeinderats-Ausschusssitzung am 21. Oktober ist nun die letzte Chance, schädliche Sperrzeiten abzuwenden (Gemeinderatsbeschlüsse sind für mindestens 2 Jahre bindend).
Bitte sprecht jetzt Gemeinderäte und Gemeinderätinnen an, wenn auch Du zusätzliche Sperrzeiten ablehnen und abwenden willst.

Als VCD setzen wir uns ebenfalls für eine Beibehaltung der bestehenden und bewährten Regelung ein. Auch, weil es im Falle der Küferstraße und der Bahnhofstrasse noch immer keine sichere Alternativ-Raddurchgangsroute gibt. Jegliche Alternativlösungen wurden bisher seitens des Gemeinderats abgelehnt.
 

Hier geht es zu den Kontaktdaten der GemeinderätInnen

 

Infobox:

  • Die meisten Menschen kommen mit dem ÖPNV, zu Fuß und mit dem Fahrrad in die Innenstadt. Dieser Besucherkreis kommt öfter und gibt so übers Jahr mehr Geld aus als Besucher, die mit dem Kfz kommen. Das zeigen die Studienergebnisse den DIFU (Seite 8)
     

  • Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen: Radfreigabe in Schrittgeschwindigkeit für Fußgängerzonen funktioniert weitgehend konfliktfrei und sicher. Wichtig ist die deutliche Kommunikation der Regeln: Schrittgeschwindigkeit und Vorrang für den Fußverkehr.
     

  • Radfahrverbote verringern die Kundenfrequenz, nicht aber die zu schnellen Durchfahrten.
     

  • Es bringt große Vorteile, wenn Menschen öfter das Fahrrad wählen, zu Fuß und mit dem ÖPNV unterwegs sind und weniger Auto. Das hat viele postitive Auswikungen für den Einzelnen, unsere Gesellschaft, die Stadt, die öffentlichen Kassen und unsere Sozialsysteme. 
     

  • Zufußgehen und Radfahren bewirken wahre Wunder in der Gesundheitsprävention und könnten viel dazu beitragen, dass unser Gesundheitssystem zukünftig bezahlbar bleibt. Heute entstehen jährlich über 2,5 Mrd. € Behandlungskosten durch Folgeerkrankungen aufgrund von Bewegungsmangel. Quelle:RKI

Fazit: 
 Sperrzeiten während der Ladenöffnungszeiten würden die Erreichbarkeit der Innenstadt mit dem stadtverträglichen Verkehrsmittel Fahrrad erschweren. Das würde sich negativ auswirken auf Geschäfte und Gastronomie und insgesamt auf eine belebte Innenstadt. 


Viele interessante Infos gibt es auf der Seite Zukunft Mobilität vom Stadtplaner und Mobilitätswissenschaftler Martin Radelhoff
 

 

 

 

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