Esslingen, Infrastruktur, Verkehrspolitik, Verkehrsverbünde und ÖPNV
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Lankreis Esslingen will Busangebot verschlechtern

Harte Einschnitte beim Busangebot geplant und teilweise schon beschlossen

VCD kritisiert falsche Entscheidungen und fordert die Verantwortlichen zum umsteuern auf

Nach einem kontinuierlichen Ausbau des Busangebots in den letzten Jahren, droht jetzt eine Reduzierung von Linien und Takten – auch im Landkreis Esslingen.

Wie kann das sein? fragen sich die Menschen und der VCD. Denn mehr ÖPNV und weniger Autoverkehr hat sowohl für den Einzelnen wie auch für die Gesellschaft erhebliche Vorteile und der Ausbau des ÖPNV genießt höchste Zustimmung.

Ganz konkret stehen aktuell im Landkreis folgende Angebote auf der Kippe bzw. sind bereits konkrete Verschlechterung beschlossen:

  • Die Expressbuslinien X4 (Degerloch–Nürtingen) und X7 (Degerloch–Filderstadt) sollen gestrichen werden.
    Beide Linien verbinden auf direktem und schnellem Weg zentrale Orte im Landkreis Esslingen – besonders dort, wo es keine Schienenverbindung gibt. Tausende Fahrgäste nutzen diese Linien täglich, um zur Arbeit, zur Schule, zur Ausbildung oder zur Hochschule zu gelangen.

     
  • Für das Linienbündel ES04 Filder-Ost, ist bereits eine erheblich Reduzierung beschlossen:
     
    • Linie 119 (Esslingen - Nellingen - Denkendorf) und Linie 120 (Esslingen - Nellingen - Neuhausen – Wolfschlugen): werktags zwischen 9 und 12 Uhr wird der aktuelle 15-Minuten-Takt auf einen 30-Minuten-Takt reduziert. Die Fahrten zwischen 9 bis 12 sowie 13:30 bis 15 Uhr werden deutlich ausgedünnt.
       
    • Linie 122 (Flughafen/Messe - Scharnhausen – Esslingen): Streichung von Fahrten morgens und abends.
       
    • Linie 130 (Esslingen - Ruit - Heumaden - Kemnat – Scharnhausen): Streichung sämtlicher Fahrten zwischen 9 und 12 Uhr. 
       
    • Linie 121 soll künftig von Neuhausen nach Plochingen statt wie bislang über Sirnau nach Oberesslingen verkehren.

Warum ist das problematisch?

Gute Mobilität lässt sich gerade in Ballungsgebieten nur mit einem zielführenden Mix aus Verkehrsmitteln organisieren. Dafür braucht es einen leistungsfähigen ÖPNV als Fundament.

  • ÖPNV bringt mehr Mobilität bei weniger Verkehr:
    • im Vergleich zum Autoverkehr ist ÖPNV deutlich leistungsfähiger. Mit dem ÖPNV werden erheblich mehr Menschen mit weniger Ressourcen befördert (beispielsweise Fläche und Infrastruktur).
    • Verlagerungen vom Autoverkehr auf den öffentlichen Verkehr reduziert das Verkehrsaufkommen insgesamt und vermeidet damit Staus und die damit verbundenen Verluste (Zeit, Schadstoffe, Lärm, …).
       
  • Mehr öffentlicher Verkehr und weniger Autoverkehr bringen Kostenvorteile:
    • Geringere Unfallkosten
    • Weniger Luftverschmutzung und Lärm verringern Krankheitskosten
    • Geringere Klimafolgekosten
    • Geringere Energiekosten durch weniger Staus  

Das zeigen zahlreiche Studien, wie beispielweise die Studie Einsparung von öffentlichen Kosten durch den öffentlichen Personennahverkehr 

  • Mehr öffentlicher Verkehr und weniger Autoverkehr fördern Lebensqualität und Teilhabe an Mobilität:
    • Beim Wohnen, Pendeln und Einkaufen
    • Für Menschen die kein Auto haben (wollen) und für Menschen die nicht Autofahren (können oder wollen).
    • ermöglicht eine zielführendere und effizientere Nutzung von öffentlichem Raum.  

Woran hakt es?

Das Angebot an Busverkehr gestalten und bezahlen Landkreis und Kommunen über viele Jahre hinweg gemeinsam. 
Dieses Angebot wird im sog. Nahverkehrsplan (NVP) des jeweiligen Landkreises immer für 7 Jahre definiert. 
Je nach Ambitionen der Kreis- und Landräte findet hier lediglich Schülerverkehr Berücksichtigung oder -wie im Fall Esslingen- Beteiligung von Nachbarstädten wie Stuttgart, Karlsruhe oder Freiburg um einen leistungsfähigen ÖPNV anzubieten, der auch Pendlerverkehre oder Freizeitverkehre möglich macht.
So erfolgte jedoch über Jahrzehnte hinweg keinen ausreichender Ausbau beim ÖPNV.

In den letzten Jahren hat das Land u.a. mit der Förderung der RegioBusse (70% Land, 30% Kreis) nachgeholfen um das ÖPNV-Angebot über Kreisgrenzen hinweg auszubauen und zu verbessern: Diese Regiobusse verbinden meist zwei oder mehr Bahnanknüpfungspunkte im Halb- oder Stundentakt von früh morgens bis Mitternacht.

Der Bund stellt zu wenig Mittel zur Verfügung, um ein gutes und zielführendes Angebot im ÖPNV zu ermöglichen.

Diese Regionalisierungsmittel des Bundes reichen aber aktuell nicht aus. Auch Landkreisen und Kommunen werden immer mehr Aufgaben übertragen, ohne dass der Bund die erforderlichen Finanzmittel hierfür zur Verfügung stellt. Inzwischen sind Kommunen gezwungen, auch an vielen sehr sinnvollen Stellen zu sparen. So werden sich Kommunen und Landkreise immer seltener einig über die Finanzierung des ÖPNV-Angebots.

Für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) zahlt der Bund seit der Bahnreform 1994 den Ländern Regionalisierungsmittel, deren Höhe jährlich zwar erhöht wird, jedoch sprunghaft gestiegene Energie- und Personalkosten kaum berücksichtigt.

Deshalb fordern wir:

Langfristige und ausreichend Regionalisierungsmittel um einen zielführenden Ausbau und ein gutes Angebot im ÖPNV sicherzustellen.
…und damit unterm Strich gute Mobilität zu niedrigeren Kosten zu organisieren. 

Der Bund muss die Leistungen bezahlen, die er von Kreisen und Kommunen verlangt.

Mobilitätspass als Handlungsmöglichkeit

Aus Bundesverkehrsministerium und dem Finanzministerium gibt es aktuell wenig Signale die Regionalisierungsmittel dem Bedarf anzupassen. 

Jedoch hat die Landesregierung mit dem Landesmobilitätsgesetz die Möglichkeit geschaffen den Mobilitätspass einzuführen. Mit dem Mobilitätspass können Kommunen und Landkreise einerseits finanzielle Mittel für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) generieren und gleichzeitig Menschen motiviert werden, vermehrt öffentliche Verkehrsmittel und weniger häufig das Auto zu wählen. 

Alle Quellen der Präsentation:

 

 

 

 

 

 

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