Konstanz
Am 27. April 2026 kam der Filmemacher, Journalist und Fahrradaktivist Ingwar Perowanowitsch aus Freiburg nach Singen. Auf Einladung des VCD-Kreisverbands Konstanz und der Stadt Singen wurde sein Film „Cycling Cities” im Kulturzentrum Gems gezeigt. Mit dabei waren ca. 70 Besucher:innen aus verschiedenen Kommunen des Landkreises Konstanz, darunter Konstanz, Radolfzell, Moos, Steißlingen und Stockach.
Im Mai 2025 bricht der Journalist und Filmemacher Ingwar Perowanowitsch zu einer rund 2.000 Kilometer langen Radtour zu den schönsten Fahrradstädten Europas auf. Von Freiburg aus führt ihn sein Weg über Gent, Amsterdam, Utrecht und Hamburg bis nach Kopenhagen.
Vor Ort spricht er mit Politikern, Verkehrsplanern und Aktivisten, um herauszufinden, welche Maßnahmen und Strategien letztlich zum Erfolg der Verkehrswende durch das Fahrrad geführt haben. Dabei stellt er auch die Frage, was Deutschland lernen kann und wie die Politik hierzulande agieren sollte. Perowanowitsch dokumentiert mit der Kamera, wie sich die Städte in den letzten Jahren und Jahrzehnten verändert haben.
So hat Paris beispielsweise viele Straßen in der Nähe von Schulen für den Autoverkehr gesperrt bzw. autofrei gemacht, Straßenbereiche in Grünflächen verwandelt und natürlich zahlreiche Radwege eingerichtet.
In Gent wurden bereits vor mehreren Jahrzehnten klare Ziele für den Fuß- und Radverkehr beschlossen. Nach und nach wurde die Innenstadt ganz oder teilweise fürs Auto gesperrt.
Die Infrastruktur für den Fahrradverkehr in Kopenhagen wurde wirklich beeindruckend ausgebaut. Diese Maßnahmen sind für die Verkehrswende von besonderer Bedeutung: Denn mit sicheren und schnelleren Wegen werden immer mehr Menschen das Fahrrad bevorzugen.
Amsterdam und Utrecht sind Beispiele dafür, was die Niederlande im Fahrradverkehr so erfolgreich macht: Es gibt überall getrennte und sichere Radwege sowie große, überdachte Fahrradabstellanlagen. Das Fahrrad ist das beliebteste Verkehrsmittel in den Kommunen. Es brauchte Einsatz aus der Bürgerschaft für sichere Straßen – auch wegen der vielen Unfälle im Autoverkehr – sowie den politischen Willen und die Umsetzung durch die Verwaltung, um das Fahrrad zum Beispiel auch für Pendler:innen zu ermöglichen.
Während seiner Tour durfte Ingwar an einer großen Fahrraddemo des ADFC in Hamburg teilnehmen, viele Menschen wollen sich aktiv für einen besseren Radverkehr engagieren.
So ist ein bildgewaltiger Film entstanden, der eine neue Geschichte der Mobilität erzählt. Ein Film, der inspiriert, zum Nachdenken anregt und dazu einlädt, unsere Städte von Grund auf neu zu denken.
Nach dem Film gab es eine Fragerunde und eine kurze Diskussion. Die große Frage war: Wie können wir eine autogerechte Stadt in eine lebenswerte Stadt verwandeln?
Lassen sich Städte mit 50.000 Einwohnern wie Singen überhaupt mit Utrecht oder Gent vergleichen? Ingwar meinte, wir bräuchten: mehr Vorstellungskraft und ein klares Programm vonseiten der Politik sowie Aktionen und Forderungen aus der Bürgerschaft.
Axel Huber, der Mobilitätsbeauftragte der Stadt Singen, kann sich vorstellen, den Fokus mehr auf Verkehrssicherheit und Teilhabe zu richten. Öffentlicher Raum ist schließlich nicht nur für Autos und Parkplätze da, sondern auch zum Spielen, sich zu treffen und für Fußgänger, Radfahrer und den ÖPNV.
Nikolas Baur, Mitglied des VCD Kreisverband Konstanz aus Singen hat mehrere Punkte angesprochen: Die Wichtigkeit des ÖPNV (zum Beispiel über die Aktivierung der Etzwiller Bahn), die Notwendigkeit einer Antriebs- und Mobilitätswende für die Verkehrswende. Und getrennte, sichere Radwege etwa in der Ekkerhard- und der Freiheitstraße.
Generell lässt sich sagen, dass Singen gute Rahmenbedingungen bietet. So sind Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte und Behörden meist zu Fuß oder in noch kürzerer Zeit mit dem Fahrrad zu erreichen, wie es in Utrecht der Fall ist.
Es braucht eine ganzheitliche Betrachtung des öffentlichen Raums, wie es in Paris praktiziert wird. Klimaschutz, alle Verkehrsarten und z.B. auch Schulwege müssen von Verwaltung, Planern und der Politik zusammen betrachtet und gestaltet werden. Die Bürgerschaft sollte frühzeitig informiert werden und Vorschläge einbringen können, um eine für alle lebenswerte Stadt zu schaffen.
Wir möchten uns bei den Besucher:innen ganz herzlich bedanken. Danke an Roldany Gutierrez, Bernd Rüffer und Thomas Wildenmann vom VCD für die Moderation und Nikolas Baur vom VCD aus Singen, Axel Huber von der Stadt Singen und Ingwar Perowanowitsch für die Diskussion und Fragerunde nach dem Film. Es war eine tolle Veranstaltung! Ein besonderer Dank geht an Herrn Huber und Frau Eberle von der Stadt Singen sowie an Frau Patzke vom Kulturzentrum Gems für die Mitorganisation!
Wir wollen uns verstärkt für die Verkehrswende im Kreis einsetzen und planen bereits die nächsten Veranstaltungen. Über eure Teilnahme würden wir uns freuen.