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Der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) kritisiert das Klimagutachten zur zweiten Gauchachtalbrücke bei Döggingen als methodisch fehlerhaft und nicht konform mit den Anforderungen des Klimaschutzgesetzes. Die Klimabewertung ignoriert verbindliche Ziele der Verkehrswende und unterstellt, dass Deutschland seine Klimaziele nicht einhält, um den Brückenbau langfristig als klimaneutral darzustellen. Der VCD fordert eine Überarbeitung des Klimagutachtens und eine realistische Szenarienanalyse, die von einem realistischen Szenario ausgeht, in dem Deutschland seine Klimaziele einhält, und Möglichkeiten zur Verkehrsvermeidung und Verlagerung einbezieht.
Freiburg/Döggingen, 01. Juli 2025 – Der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) kritisiert das Klimagutachten zur zweiten Gauchachtalbrücke bei Döggingen als methodisch fehlerhaft und nicht konform mit den Anforderungen des Klimaschutzgesetzes. Die Klimabewertung sei nicht realistisch und ignoriere verbindliche Ziele der Verkehrswende.
Zwar begrüßt der Verband grundsätzlich, dass Umweltwirkungen inzwischen stärker berücksichtigt werden. Die jetzt vorgelegte Berechnung sei jedoch in zentralen Punkten nicht tragfähig. Im Rahmen des vom VCD-Südbaden vor dem VGH-Mannheim erwirkten Ergänzungsverfahrens zu der Umweltverträglichkeitsprüfung wurden diese Mängel nicht behoben. Der VCD gab daher gestern im Rahmen des aktuell laufenden Ergänzungsverfahrens eine Stellungsnahme diesbezüglich ab.
„Die Klimabilanz unterstellt, dass Deutschland seine Klimaziele nicht einhält – nur so erscheint der Brückenbau langfristig als klimaneutral. Derartige Berechnungen setzen die Axt an sämtliche Klimaziele und sind damit unvereinbar mit allen Bemühungen, die Ziele zu erreichen.“, kritisiert Jonathan Sauer, Vorstand des VCD Südbaden. Das Gutachten arbeite mit veralteten Emissionsdaten, die nur bis zum Jahr 2050 reichen. Für den Zeitraum danach werde einfach mit den gleichen Werten weiter gerechnet – obwohl das Klimaschutzgesetz für Deutschland ab 2045 Treibhausgasneutralität vorschreibt.
Zudem gehe die Berechnung davon aus, dass sich das Verkehrsaufkommen auch in Zukunft nicht verändere. Damit würden politische Ziele wie die geplante Reduktion des Autoverkehrs um rund 30 Prozent völlig ausgeblendet: „Wenn Baden-Württemberg den Verkehr wirklich verringern will, dann muss das auch bei der Planung neuer Straßen berücksichtigt werden“, so Jonathan Sauer für den VCD. Stattdessen würde die Berechnung sich auf ein Weiter-so-Szenario beziehen, welches fernab jeglicher politischer Realitäten liege und im klaren Widerspruch zu Klimazielen des Bundes, wie auch des Landes stehe.
Besonders kritisch sieht der Verband eine zentrale Berechnung des Gutachtens: Dort werden die Emissionen des Brückenbaus durch die vermiedenen Umleitungen während künftiger Sanierungen „verrechnet“. So soll die Brücke laut Gutachten nach 70 Jahren klimaneutral und nach 100 Jahren sogar besser für das Klima sein als keine Brücke. „Dass Betonbauwerke nach Jahrzehnten als Lösung für den Klimaschutz dargestellt werden, ist weder nachvollziehbar noch ökologisch haltbar.“, erklärt Sauer.
Der Verband fordert daher die Überarbeitung des Klimagutachtens. Es müsse von einem realistischen Szenario ausgehen, in dem Deutschland seine Klimaziele einhält, und auch Möglichkeiten zur Verkehrsvermeidung und Verlagerung einbezogen würden. Außerdem müsse geprüft werden, ob die bestehende Brücke nicht auch ohne Neubau erhalten werden könne. Zudem verweist der Verband auf die noch am Bundesverwaltungsgericht anhängige Revisionsnichtzulassungsbeschwerde und das dann folgende Revisionsverfahren.